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Dreikönigsaltar wurde zwei Jahre lang restauriert

Kleinod erstrahlt im neuen alten Glanz
(Schwabacher Tagblatt Nr. 96 vom 26.4.2001)
Der frühere Hauptaltar der Wendelsteiner St. Georgs-Kirche ist ein Frühwerk des Dürer-SchüIers Hans Süß von Kulmbach

 

WENDEISTEIN (he) -Die Restaurierung des Dreikönigsaltars aus der Wendelsteiner St.-Georgs-Kirche ist abgeschlossen. Zwei Jahre lang wurde er in der Werkstatt des Ochsenfurter Restauratoren-Ehepaars Lehmler untersucht und wieder auf Vordermann gebracht. Es sieht jetzt so aus wie Ende des 19. Jahrhunderts. Neu ist die Erkenntnis, dass er wahrscheinlich im 17. Jahrhundert nach Wendelstein gebracht wurde.


 

Gesprenge von 1892

Auf diese Version hatten sich die Restauratoren mit dem Landesamt für Denkmalspflege in München verständigt, obwohl durchaus auch andere Fassungen möglich gewesen wären. Dies wohl auch deshalb, weil der Altaraufsatz, das ,,Gesprenge“ im neugotischen Stil, erst 1892 hinzukam. Hierbei handelt es sich um eine Stiftung des Wendelsteiner Ehepaars Enßer, wie Restauration Eva Lehmler erläuterte.


 

Der altere Teil des Dreikönigsaltars, also Sockel („Predella“) und Mittelstück („Schrein") sind ein spätgotisches Werk des Dürer-Schülers Hans Süß von Kulmbach. Die Entstehungszeit ist gesichert, ein Flügel trägt die Jahreszahl 1510.

Matthias Exner, Gebietsreferent des Landesamts für Denkmalpflege, nannte ihn bei der Pressekonferenz zum Abschluss der Restaurierung „ein Fenster in die Malerei der Dürerzeit“ und ,,ein wichtiges Frühwerk des Hans Süß von Kulmbach“.


 

Nicht für Wendelstein geschaffen

Die Geschichte des Dreikönigsaltars ist nicht restlos bekannt, aber auf jeden Fall wechselvoll. Gesichert ist, dass er nicht für Wendelstein geschaffen wurde. Vermutlich kam er schon bald nach der Reformation in den Ort.
 

Die Restauratorin stellte fest, dass relativ früh, bereits im 17. Jahrhundert einiges übermalt wurde. Dieser Überarbeitung fiel auch das Schwein auf der Außenseite des rechten Mittelflügels zum Opfer. Ein Schwein kennzeichnet in der christlichen Bildersprache den Heiligen Antonius. Eventuell, so die Deutung von Eva Lehmler, ist er durchs Übermalen ,,umgemünzt" worden. Dies deute auf eine Verlegung nach Wendelstein hin.


 

Zuerst als ,,Seitenaltar" verzeichnet

In den Wendelsteiner Kirchenbüchern wird der Dreikönigsaltar im frühen 19. Jahrhundert als ,,Seitenaltar" aufgeführt. Doch als Seitenaltar war er nicht konstruiert, denn auch die Rückseite ist bemalt und war demnach zugänglich gewesen, was bei einem Seitenaltar an einer Wand nicht der Fall ist. Zum Hochaltar der Georgskirche wurde er 1892, als auch das Gesprenge hinzu kam.
 

Teile wurde im 20. Jahrhundert restauriert, ,,auseinander restauriert", wie es Exner und Fachfrau Lehmler übereinstimmend bezeichneten. 1960 wurden Flügel ins germanische Nationalmuseum zu einer Ausstellung gebracht und dabei restauriert. Bei dieser Gelegenheit war übrigens auch das übermalte Schwein des Antonius wieder freigelegt worden. Die restaurierten Teile passten jedenfalls vom Aussehen nicht mehr zu den unrestaurierten.


 

Wegen der Heizung in den Keller

Bis 1987 stand er in der Georgskirche als Hauptaltar Man lagerte ihn darin im Keller des Martin-Luther-Hauses ein, um ihn vor denTemperaturschwankungen durch die neue Heizung zu schützen. Untersuchungen für die Restaurierung begannen 1998. Die Restaurierung selbst begann im April 1999. Jetzt steht der Altar in der Achahildis-Kapelle und erhält Licht durch ein Fenster von links, so wie es dereinst wahrscheinlich war.



 

Dreikönigsaltar war unansehnlich geworden

Alle Jahre Inspektion 

Die Bilder waren stumpf und dunkel - Die Farbe blätterte ab

WENDELSTEIN (he) - Der bis 1987 im Keller des Martin-Luther-Hauses eingelagerte Dreikönigsaltar war im Lauf der Jahre unansehnlich geworden. Die Bilder wirkten matt. Erst nach der Restaurierung entfaltet er wieder seine ganze Wirkung.
 

Das Gesamtbild war gestört, denn er hatte unsachgemäße Restaurierungen hinter sich, die Bilder waren übermalt, verfleckt und dunkel. Stellenweise war die Farbe aufgeplatzt oder abgeblättert, die Vergoldung sowohl auf den Bildern als auch am Rahmenwerk war stumpf geworden.


 

Geld sparen durch Pflege
 

Die Restaurierung ist abgeschlossen - und geht dennoch weiter
 

Restauratorin Eva Lehmler empfahl nämlich, den Dreikönigsaltar jährlich prüfen zu lassen und zu pflegen. ,,Mehr Geld kann sich die Kirchengemeinde nicht sparen."


 

Pfarrer Horst D. Stanislaus freut sich über Abschluss der Restaurierung

„Jahrhundertereignis für die Kirchengemeinde"

,,Ein Tag der Freude und des Dankes"

In abgeteilter Kapelle mit Alarmanlage und Überwachungskamera
 

WENDELSTEIN (he) - ,,Das ist ein Jahrhundertereignis für die Kirchengemeinde“, erklärte Pfarrer Horst D. Stanislaus bei der Pressekonferenz zum Abschluss der Restaurierung des Dreikönigsaltars. ,,Es ist ein Tag der Freude und ein Tag des Dankes!".


 

Stanislaus lobte das Werk als, ,,sehr gelungen" und dankte der Projuvis-Stiftung für die Finanzierung der 200000-Mark-Arbeit. Weitere 100000 Mark kostete es, die Achahildis-Kapelle für den neuen alten Altar umzubauen. Diesen Betrag teilten sich Landkreis, Gemeinde und Landeskirche.


 

Nicht zugänglich

Die Achahildis-Kapelle befindet sich unter der westlichen Empore und ist vom übrigen Kirchenschiff durch Fenster in den Rundbögen abgeteilt. Hier herrscht ein Raumklima, das nach Ansicht von Fachleuten dem Altar nicht schadet. Dieser Bereich der Kirche ist In der Regel nicht zugänglich und die Treppe zur Empore, die hier beginnt, wird nur benutzt beim Weihnachts-Gottesdienst.


 

Unter der Regie des Kleinschwarzenloher Architekten Wolfgang Dinkler wurde in der Kapelle ein Sandstein­Sockel für den Altar gebaut. Eine Alarmanlage schützt das wertvolle Kunstwerk und eine kleine Kamera dient der Überwachung.