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Pfarre Horst Dieter Stanislaus

Pfarrer i. R. Horst D. Stanislaus
Seit Jan. 1994, (Sprengel I).

Abschied: 4.2.07

Pfarrer Horst D. Stanislaus


Verabschiedung von
 Wendelstein

Gottesdienst
am 4. Februar 2007

St. Georgskirche

 
Pfarrer Horst D. Stanislaus


Meine liebe Wendelsteiner Gemeinde,

Nach 13 Jahren sage ich "Adieu". Nachher werden wir es uns gegenseitig zusingen: "Zieht in Frieden Eure Pfade; mit Euch des großen Gottes Gnade ... ". Das ist ein ganz schöner Anteil an Jahren eines Lebens. Es ist wenig in der Geschichte einer Gemeinde, deren Pfarrer urkundlich zurückgehen bis ins Jahr 1357. In der lückenlosen Auflistung der Pfarrer, der series parochorum, wie sie in Schlüpfingers Werk über die Geschichte Wendelsteins zusammengestellt ist, steht halt dann, wenn man sie fortschreibt: Horst Stanislaus, 1994-2007. Es bleiben die Zahlen für die Geschichte, es bleibt die Erinnerung, die Geschichte Gottes mit dieser schönen Gemeinde geht weiter.

Für mich waren das erfüllte Jahre, voller Segen in meinem Leben, trotz schwerer Krankheit, Trauerzeiten im Pfarrhaus. Als ich vor 13 Jahren hierherkam war ich ziemlich kraftlos, nach meiner Krankheit wieder. Ihr habt mich aufgemöbelt in kürzester Zeit. Aber ich muss besser sagen. Der HERR hat seinen Wendelsteiner Engeln befohlen, mich aufzumöbeln. Und so konnte ich Euer Pfarrer sein. Ich meine ganz ernst, was ich geschrieben habe: "es war ein Privileg, Euer Pfarrer sein zu dürfen",

In allen Lebenssituationen scharen wir uns als Christen um das Evangelium. Wir lesen ein Wort aus den Losungen, um den Tag zu beginnen und uns von Gottes Wort tragen zu lassen. Wir stellen die großen Tage des Lebens unter ein Gotteswort, die Einschnitte, Taufen, Konfirmationen, Trauungen, Beerdigungen, für einen Pfarrer die Ordination, eine Installation und auch so einen Abschied wie heute.

Gelebtes Leben im Lichte des Wortes Gottes, mit dem Wort Gottes als Begleiter, als Halt, als Trost, als Ermutigung, als Beflügler, als Deuter des Lebens, dass es uns hilft im Gestrüpp des Lebens "niemand zu sehen als Christus allein", den HERRN, den HEILAND. Ich erinnere mich an das Christuswort aus meinen Konfirmationsspruch: " ... niemand kommt zum Vater, denn durch mich".

Das ist es, wovon die Rede sein sollte, in jeder Predigt. Und den Mund soll man nicht zu voll nehmen als Pfarrer. Jede Predigt, bevor sie den Mund verlässt, gilt erst einmal dem eigenen Herzen, der eigenen Schwäche, der eigenen Schuld. Mit jedem Wort der Predigt zeigt der Heilige Geist auf die eigene Seele.
Und dann darf es frei und froh heraus. Ich habe gern Luthers bekannten Rat befolgt: "Tritt frisch auf, mach's Maul auf..." Die Fortsetzung habe ich allerdings nicht so gut beherrscht, wenn Luther riet: " ... hör bald auf."
Aber wenn die treuste Gottesdienstbesucherin Bettina Rühllaut aufgeschnauft hat, habe ich gewußt,
jetzt wird es zu lang.

Die Mitte der Gemeinde ist das Hören auf Gottes Wort: Heute begegnet uns im Predigttext dieses Tages der Ruf Jesu: Folge mir. Es ist der bleibende Ruf Jesu an uns alle, egal wo die Wege hinführen.
Zwei Dinge bei dieser Berufungsgeschichte, die dem Matthäus galt, haben mich immer besonders berührt .

    * Der Ruf Jesu ereilt einen sogar im ganz säkularen Alltag.

Also nicht nur in den heiligen Momenten, natürlich da auch, wie in der Verklärungsgeschichte von vorhin, natürlich im Gottesdienst, bei einer Andacht, oder bei einer Beerdigung. Überall kann einen das Evangelium, um einen meiner theologischen Lehrer, Eduard Ellwein, zu zitieren, "anspringen wie ein Löwe", Eben auch im ganz normalen Alltag:

Folge mir nach heißt dann:

Geh nicht vorbei, wenn Dir Not begegnet, Jesus ist auch nicht vorbeigegangen. Sei es ein einsamer Nachbar, ein Bettler in der Fußgängerzone oder die feme Mama Wilhelmina mit ihren Straßenkindern, geh' nicht vorbei.
Der Ruf erfolgt, wenn wir etwas sehen, Leid anderer, wenn wir davon lesen. Es ist, wie wenn automatisch in so einem Moment eine SMS kommt: Folge mir nach. Alle wissen wir, tief in uns, was das in so einer Situation bedeutet. Wir sollten die SMS nicht wegdrücken. So ist die Diakonie entstanden und gewachsen als Werk der Kirche, auch hier in Wendelstein, als die Schwestern Julie und Babett hier wirkten, an die die Menschen sich bis heute erinnern. Pfarrer geraten in Vergessenheit. Der Dienst der Schwestern ist in Erinnerung geblieben.

Folge mir nach heißt dann:
In jeder Lebenssituation spüren lernen: Gott ist am Werk, jetzt in diesem ganz alltäglichen Moment
ER will etwas von mir, Zeit für den anderen vielleicht, ein gutes Wort vielleicht, einen Moment Innehalten bei einer Entscheidung. Mit Konfirmanden haben wir einmal Armbändchen geknüpft mit Perlenbuchstaben drin. W.w.J.d. "What would Jesus do?".

Eigentlich sollten wir Als Merkerle alle so ein Band tragen, wir sind immer so vergesslich. Sich zu vergegenwärtigen, was Jesus wollte und es dann auch zu tun, so folgen wir Jesus nach.

Folge mir nach heißt dann:

Da gibt es Situationen, da begegnet uns ganz hautnah ein Wort Gottes, von einem Menschen gesagt, wie gesagt, bei einer Beerdigung vielleicht, oder auf einer Grußkarte, oder jemand sagt: "behüt Dich Gott", "pjiatdi Pfarrer" hat der Girgl Wittmann immer zu mir gesagt. Wort Gottes im Alltag.
Lass Dich beschenken von dem Wort des Evangeliums. Bezieh es auf Dich, in Glück, in Leid, in alltäglichen Querelen, oder im Moment des Übermuts. Verlaß Dich auf die Stimme des HERRN, wohin er auch führt.

Schrittmacher kann es Dir sein, SEIN Wort:
Vergiß nicht, was ER Dir Gutes getan hat ... Von allen Seiten umgibst DU mich ...
Tu Busse ...   Kommet her zu mir alle ...
Lass Dir an meiner Gnade genügen. .. Heute wirst DU mit mir im Paradiese sein.

Es gibt keinen Lebensrnoment, keine selbstgesuchte Gottferne, wo ER nicht anklopfen würde, uns zu sagen: Folge mir nach, lass Dich beschenken mit der Liebe Gottes.

Folge mir nach heißt dann:

Bekenne Dich zu Deinem Glauben. Es ist kein Anlass, damit hinter dem Berg zu halten. Wir haben eine wunderbare Botschaft in unser Herz bekommen, bereichernd für unser Leben. Es ist eine Botschaft, die alle brauchen könnten für ein erfülltes und geborgenes Leben. Eine Botschaft nach der die Menschen sich im Innersten sehen, manchmal, ohne es zu merken.

Wir sehen, Rufe gibt es genug, mehr könnte aufgezählt werden. Der Ruf der Schöpfung mit den ersten Frühlingsblumen zum Beispiel, der Ruf der eigenen Lebesngeschichte, von uns immer anonym Schicksal genannt. Es ist der Ruf des HERRN, was wir erleben.

Und das zweite, was mich immer an dem Menschen am Zoll bewegt hat, (der das muss noch nachgetragen werden, nicht einen normalen Alltagsberuf hatte, sondern einen Beruf des Abscheus und der Verachtung, jedenfalls nicht der Gottesnähe),

das Zweite ist die Reaktion. Lapidar, ohne Kommentar, ohne Wenn und aber, ohne Warum? und ohne Was habe ich davon?

• Die Reaktion: Er stand auf und folgte ihm.
Da zieht einer Konsequenzen, total, da krempelt einer sein Leben um, wir kennen das noch einmal von Zachäus.
Mir imponiert das und es macht mir Angst. Wie total der Anspruch Jesu sein kann. Matthäus wählt diesen Weg, weil er überwältigt ist und von einem Moment auf den anderen erkennt, das ist der Weg, nur der geht.
Nicht von jedem ist so ein Weg gefordert, aber immer wieder sind Menschen in ihrem Glauben so einen Weg gegangen. In mancher Heiligengeschichte taucht das auf oder wenn einer ins Kloster geht.
Auch die Worte der Bergpredigt Jesu haben so eine Radikalität.
Da sind uns meist feme Gedanken.

Wir ahnen aber etwas davon, dass es manchmal im Leben nötig ist, einen radikalen Schnitt zu machen, um weiters, eine neues Leben zu ermöglichen.

Das Gleichnis vom verlorenen Sohn erzählt davon.

In aller Regel hindert der Lebensrahrnen, den Gott uns geschenkt hat, nicht, den Weg des Glaubens zu gehen. Aber wir sollten ihn mitgehen und immer wieder dem Ruf Jesu folgen und ihn auch im ganz normalen Alltag erwarten und befolgen.
Glauben bereichert unser Leben, Liebe die geschenkt wird, beschenkt uns selbst und Hoffnung legt sich ins Herz, Hoffnung für Zeit und Ewigkeit.

Time to say good bye. Ihr wißt, wie schwer es mir ist. Ich sage von Herzen zu Euch "Gott befohlen". Gott liebt Euch, vergeßt es nie.
Pfarrer kommen und gehen, die Gemeinde bleibt und das Wort Gottes, das ihr gilt, bleibt in Ewigkeit. So steht es auch auf der Zirndorfer großen Glocke, die mir künftig schlagen wird.

" Verbum Domini manet in aerternum". Das Wort des HERRN bleibt in Ewigkeit.
Auch da ruft es: Folge mir nach.

Der Staffelstab des Hirtenamts für diese Gemeinde des HERRN in Wendelstein wird weitergegeben, zu säen, zu pflanzen, zu wässern, zu düngen, umzugraben vielleicht, je nach dem, was an der Zeit ist, im Sinne der Jahreslosung:

"Ich will ein Neues schaffen. Jetzt wächst es auf. .. "

Amen!

Pfarrer Horst D. Stanislaus

Pfarrer Horst D. Stanislaus

Pfarrer in Wendelstein

bis 31. Januar 2007