| Erntedank 30. September 2007 Matthäus 6, 19-24 Wendelstein, St. Georg/Arche |
![]() |
Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem
Vater, und
dem Herrn Jesus Christus. Amen.
Liebe Gemeinde,
mein erstes Erntedankfest in Wendelstein. Gestern
habe ich
einige Bauern abgeklappert, von Wendelstein nach Sperberslohe, dann
nach
Raubersried und wieder zurück. Mir wurde von der guten Kartoffelernte
in diesem
Jahr und vom verregneten Sommer erzählt. Mein Auto war zwei Mal
ziemlich voll,
wie man hier sehen kann. Die Schätze sind hier aufgetürmt. Wir danken
den
Bauern für die Gaben. Wir danken Gott für die Ernte, für die
Kartoffeln, für
die Tomaten, …
Bauern - in der Lutherkirche, in der Nürnberger Südstadt, wo ich bisher Pfarrer war, gab es sie nicht. Da brachten die Gemeindeglieder Obst aus ihren Schrebergärten, Einkäufe vom Markt, Nudelpackungen und Konservendosen. Es gab aber arme Menschen. In der Woche nach dem Erntedankfest wurde die Gaben verteilt und nichts blieb übrig. Auch das ist Erntedank: Teilen mit denen, die nichts haben.
Hier im Wendelstein kommen die Gaben nun unserer Diakonie zugute. Das ist auch eine gute Sache. Da sind für ein Zeitlang Kartoffelsalat und Bratkartoffeln gesichert.
Was hier nun ist, ist wirklich viel. Diese Schätze zeigen uns heute. Wir haben reichlich. Jeden Tag genug zu essen, zu trinken, Kleider anzuziehen: das ist nicht selbstverständlich. Wir sagen: Danke, guter Gott!
Und die Gaben erinnern uns, es gibt auch andere, die haben viel weniger oder gar nichts – auch in Wendelstein. Lasst uns die nicht vergessen!
Und was hören wir in unserem heutigen Bibelwort? Ich lese aus der Bergpredigt Jesus (Matthäus 6, 19-24):
19 Ihr sollt euch nicht Schätze sammeln auf Erden, wo sie die Motten und der Rost fressen und wo die Diebe einbrechen und stehlen.
20 Sammelt euch aber Schätze im Himmel, wo sie weder Motten noch Rost fressen und wo die Diebe nicht einbrechen und stehlen.
21 Denn wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz.
22 Das Auge ist das Licht des Leibes. Wenn dein Auge lauter ist, so wird dein ganzer Leib licht sein.
23 Wenn aber dein Auge böse ist, so wird dein ganzer Leib finster sein. Wenn nun das Licht, das in dir ist, Finsternis ist, wie groß wird dann die Finsternis sein!
24 Niemand kann zwei Herren dienen: entweder er wird den einen hassen und den andern lieben, oder er wird an dem einen hängen und den andern verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon.
Liebe Gemeinde,
Ihr sollt nicht Schätze sammeln auf Erden! Zur Zeit kann ich das, was Jesus da sagt, sehr gut verstehen. In de Sommerferien habe ich viele Tage im Keller verbracht – nicht wegen des Regenwetters, nein, sondern weil ich ausgemistet habe. Und fertig geworden bin ich leider nicht. Der einzige Schrecken, der mir mit meinem Wechsel hier nach Wendelstein wirklich in den Gliedern sitzt, ist der noch bevorstehende Umzug. Ein fünfköpfiger Haushalt mit viel zu vielen Schätzen. Es ist durchaus auch heilsam, das erleben zu müssen, weil man daran merken kann, welch eine Last einen auch die Schätze hier auf Erde werden können.
Ihr sollt nicht Schätze sammeln auf Erden! Freilich kann man fragen: Passen diese Worte Jesu angesichts unserer Schätze hier eigentlich zum Erntedankfest? Ich meine: Wohl doch! Jesus weckt uns auf mit seinen Worten und lenkt den Blick weg von den irdischen Schätzen hin auf das Wesentliche. Denn die Schätze, die wir auf Erden sammeln, sind alle vergänglich, sie werden zerfressen von Motten und Rost.
Es ist gut, sich am Erntedankfest an die Vergänglichkeit des Reichtums erinnern zu lassen. Trotz allem eigenen Streben, trotz aller Technik in der Landwirtschaft, trotz all unserem täglichen Mühen haben wir unser eigenes Leben nicht im Griff. Das wird oft vergessen in der Welt der Macher und Macherinnen.
Und es wird oft auch vergessen, dass unsere Schätze, die wir hier sehen, und auch die, die wir nicht sehen, weil sie auf dem Konto landen, eigentlich nicht unsere Schätze, sondern Gottes Geschenk sind. Alles, was wir hier sehen, auch die „finanzielle Ernte", ist Gottes Segen, der uns erreicht. Dafür danken wir heute Gott. Deswegen liegen die Schätze auch am Altar. Wer seine Schätze hier hinlegt, der weiß, dass das Gelingen des Lebens in Gottes Hand liegt.
Freilich: wer würde sich nicht, zumindest hin und wieder, oder vielleicht auch nur heimlich, Reichtum und ein sorgloses Leben wünschen? Wer möchte nicht wenigstens so viele Schätze sammeln und besitzen, dass er oder sie frei wäre von Alltagssorgen? Welcher verantwortliche Mensch würde nicht versuchen, Schätze sammeln, wenn er jung ist, damit er oder sie im Alter etwas hat?
Da fällt mir die Geschichte ein von Josef, der in Ägypten in den sieben fetten Jahren alles gesammelt hat. So konnten sie die sieben dürren Jahre gut durchstehen. Josef hat Schätze gesammelt, und die Schätze sind ihm zum Segen geworden.
Es ist vernünftig und auch gottgewollt, wenn wir Menschen vorsorgen. Selbstverständlich sammeln wir im Sommer, um über den Winter zu kommen. Selbstverständlich spart man als junger Mensch, um im Alter nicht in Armut zu versinken. Selbstverständlich legt man in guten Zeiten etwas für schlechte zurück. Nur darf dieses Vorsorgen und Sammeln nicht nur für einen allein gelten, sondern für uns alle miteinander. Wer viel hat, soll auch für den zurücklegen, der wenig hat. Wer gesund ist, soll auch für den einbringen in die Kassen, der gesund ist. Ob uns dieser Gedanke nicht immer mehr verloren geht?
Von Jesus werden wir ermahnt: „Ihr sollt Euch keine Schätze sammeln auf Erden“. Warum eigentlich?
Zum ersten: all die irdischen Schätze fordern Zeit, Kraft und Energie. Das prächtige Haus muss geputzt werden, der große Garten gepflegt. Das Bankonto muss verwaltet, die Bücher entstaubt, die Münzsammlung geordnet werden. Die irdischen Schätzen können einen so viel Kraft und Zeit kosten, dass man den Himmel ganz vergisst. Nicht umsonst haben Nonnen und Mönche kaum Besitz, um frei zu sein für Gott.
Zum zweiten: einen kann die Sehnsucht, oder auch der vernünftige Wunsch nach Reichtum schnell zum Fluche werden. Wie viele Menschen haben schon in Aktien investiert und viel Geld verloren? Wie viele Menschen sind süchtig nach Schnäppchen und Angeboten? Und wie viel haben sich schon einfach um des Reichtums will maßlos verschuldet? Das Streben nach Reichtum und Geld kann zur unseligen Sucht ausarten.
Zum drittens: der Reichtum der einen kann zum Unglück der anderen führen. Denn wer nichts hat, wird unzufrieden, neidisch, mürrisch, die Lebensqualität sinkt. Das Eigene, Wertvolle, das was man hat gerät aus dem Blick, weil nur noch der Blick nach außen gerichtet ist. Man sieht nur noch das, was man nicht hat und nicht mehr das, was man hat.
Im Grunde geht es beim Schätze sammeln darum, woran wir unser Herz hängen. Also: was uns wirklich wichtig ist! Denn wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz, sagt Jesus. Die Frage heute an jede und jeden von uns: Woran hängst du dein Herz? Wo sind deine Schätze?
Sammelt euch aber Schätze im Himmel, wo sie weder Motten noch Rost fressen und wo die Diebe nicht einbrechen und stehlen, sagt Jesus. Ihm geht es um die himmlischen Schätze. Doch was ist das eigentlich?
Es sind Schätze, die man nicht mit Geld kaufen kann! Sie gibt es in keinem Laden. Sie kann man nicht einfach einpacken und mit nach Hause nehmen und ins Regal stellen. Die himmlischen Schätze sind keine materiellen Güter. Und deshalb können sie auch nicht verrosten. Und das besonders Gute: Sie können einen auch nicht geraubt oder weggenommen werden.
Die himmlischen Schätze, das ist zum Beispiel der Glaube. Glauben heißt nichts anderes, als sein Herz an Gott verlieren. Sich gehalten, geborgen, geliebt wissen, egal was im Leben kommt. Glauben heißt auf Gott vertrauen und nicht auf seinen Reichtum und sein Können. Viele von Ihnen wissen ja, was für ein Schatz ein fester Glaube im Leben ist.
Ein himmlischer Schatz ist auch die Liebe. Die Liebe zu den Menschen, die Gott uns schenkt. Und jede und jeder von uns weiß doch: Was für ein Schatz ist es, wenn man jemanden hat, den man vorbehaltlos lieb und von dem man vorbehaltlos geliebt wird.
Ein himmlischer Schatz: Es ist auch die Liebe zu denen, die Gott uns einfach in den Weg stellt. Die Liebe zu den Menschen, die uns zur Aufgabe werden. Manchmal sind es gar nicht die, die wir besonders mögen. Die Nächsten eben, die uns brauchen: Die armen, kranken und Lahmen. Als der heilige Lorenz von den römischen Machthabern aufgefordert wurde, ihnen den Schatz der Kirche auszuhändigen, brachte er die Armen, Kranken, Lahmen und Blinden. Sie sind der Schatz der Kirche. Sie dürfen wir nicht vergessen!
Und man könnte noch viel mehr himmlische Schätze nennen: Das gute Wort, das einen trifft. Versöhnung zwischen Zerstritten, die biblische Botschaft, Frieden, Gerechtigkeit, usw.
Sie merken schon: Das mit dem Sammeln von himmlischen Schätzen ist anders bei den Irdischen. Es ist kein Aufhäufen, sondern ein Austeilen. Sie werden nicht mehr, in dem man sie festhält, sondern indem man sie weitergibt. Denn letztlich sind all diese himmlischen Schätze ein Geschenk Gottes.
Ich war ja da gestern unterwegs, die Erntedankgaben einzusammeln. Eine gute Bekannte hat mir gesagt, (vielleicht haben Sie es auch schon gedacht): Warum muss der Pfarrer so etwas machen? Hast du nicht schon genug zu tun? Aber ich habe ja nicht nur Erntedankgaben gesammelt! Ich habe Menschen kennen gelernt, manche haben mir was von sich erzählt, von Freuden und Leid. Das sind meine eigentlichen Schätze - himmlische vielleicht. Nicht bezahlbar, nicht stapelbar. Deshalb: Vergesst bei aller irdischer Mühe die himmlischen Schätze nicht, die ihrem Platz im Herzen haben. Amen.
Der Friede Gottes, der höher ist als alle
Vernunft, bewahre
unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus.
Amen
Pfarrer
Norbert Heinritz,
Wendelstein,
St. Georg
und
Großschwarzenlohe, "Arche"