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2. Predigt zum 500jährigen Bestehen des Dreikönigsaltars (Hans Süß von Kulmbach)
Sonntag Reminiscere 28. Februar 2010: Laurentius und Sebaldus

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus. Amen.

Liebe Gemeinde,

Der Dreikönigsaltar ist ein Flügelaltar. Das bedeutet, er hat zwei Bildtafeln, die man öffnen und schließen kann. Das konnte entsprechend dem Kirchenjahr geschehen. Dann waren in den Festzeiten wie zur Weihnachtszeit, zu Ostern und Pfingsten und den wichtigen Heiligenfesten seine Flügel geöffnet. Oder der Altar veränderte sein Aussehen während der Woche, so dass an Werktagen die Altarflügel geschlossen und an Sonn- und Feiertagen die Flügel geöffnet waren. Wie das bei unserem Dreikönigsaltar der Fall war, habe ich noch nicht herausbekommen. Vielleicht weiß ja jemand von Ihnen mehr.

St.LorenzJedenfalls hat man zu den hervorgehobenen Zeiten das Hauptrelief mit den Heiligen Drei Königen zu Gesicht bekommen mit viel glänzendem Gold. Rechts und links davon fielen einen dann die beiden Heiligen St. Lorenz und St. Sebald in die Augen. Sie wissen es ja, es sind die beiden Stadtheiligen von Nürnberg. Deshalb heißen die die beiden großen Bürgerdome Lorenzkirche und Sebalduskirche.

Dass diese beiden, St. Lorenz und St. Sebald, im Vergleich zu den anderen vier Heiligen auf dem Dreikönigsaltar besonders hervorgehoben sind, merkt man einmal an ihrer Position – man sieht sie bei geöffneten Zustand – und dann daran, dass nur sie einen goldenen Hintergrund haben und von eine geschnitzten goldenen Gesprenge umgeben sind.

Doch was haben eigentlich diese beiden Nürnberger Stadtheiligen auf einen Wendelsteiner Altar zu suchen? Das hat zu manchen Spekulationen Anlass gegeben. Die Rückseite des Dreikönigsaltars ist ja bemalt. Wo hätte er da als Seitenaltar einen sinnvollen Platz finden können, so dass man auch die Darstellungen auf Rück zu sehen gewesen wären? So gab es Annahmen, dass der Dreikönigsaltar vielleicht ursprünglich gar nicht für Wendelstein, sondern – nah liegt es – für eine Nürnberger Kirche geschaffen wurde. Doch diese Annahmen gelten mittlerweile als wiederlegt.

Margarethe von Haslach hat vor 500 Jahren die Mittelmesse gestiftet. Das heißt: sie ist dafür aufgekommen, dass täglich in der Mitte des Tages von einem extra angestellten Geistlichen eine Messe gelesen wurde. Dafür wurde wohl der Dreikönigsaltar in Auftrag gegeben und hier aufgestellt. Man hatte damals die Vorstellung mit solchen Stiftungen konnte man sich Verdienste und Schätze im Himmel ansammeln, um später vor Gott doch einigermaßen gut da zu stehen.

Wo aber stand er dann, unser schöner Altar? So, dass auch seine Rückseite zur Geltung kam? Seinen Platz fand der Dreikönigsalter vor 500 Jahr wohl hier an der Chorschranke unter dem Chorbogen.

Als Mittelmessaltar könnte man sich gut vorstellen, dass seine Flügel werktags geschlossen und sonntags zum Hochamt geöffnet waren und vom Chorraum aus hatte man das drohende Gericht Christi auf Rückseite des Altars vor Augen. Also: Wehe dem Geistlichen, der seinen Dienst nicht recht vollzog!

Im geöffneten Zustand sah jeder Wendelsteiner, wozu sein Ort und er damals 1510 gehörten. Das Nürnberger Heilig Geist Spital hatte das Patronat für die St. Georgskirche und das Richteramt war zu einem Viertel an Ansbach und zu Dreivierteln an Nürnberg vergeben. Die Nürnberger hatten also im Großen und Ganzen das sagen und das sollten die Wendelsteiner auch sehen.

1510 war Luther 27 Jahre alt und noch ganz im römisch-katholischen Glauben verwurzelt. Niemand kannte diesen Wittenberger Mönch. Es sollten noch 7 Jahre vergehen, bis sein Thesenanschlag einen Sturm der Veränderung auslöste, der dann auch Wendelstein erfasste. Aber zur Zeit der Entstehung des Altars gab es das alles noch nicht. Die Heiligen hatten noch ihre ganz besondere katholische Bedeutung. Die Botschaft von beiden ist bis zum heutigen Tag interessant.

Die Botschaft von beiden heißt zunächst mal: ihr gehört zu Nürnberg. Damals war das so und heute? Als Wendelsteiner wird man wohl sagen – Gott sei Dank ist das – im Gegensatz zu Kornburg – Wendelstein bei der letzten Gebietsreform erspart geblieben. Wendelstein war ein zu großer Brocken und wurde nicht von Nürnberg verschluckt. Freilich, dass man so nah an Nürnberg ist und doch eng verbunden ist, ist nicht nur wegen des Clubs, eine gute Sache.

Aber wie ist das jetzt genau mit St. Lorenz und St. Sebald? Ich habe mich mit den beiden auch das erste Mal richtig intensiv befasst. Das sind zwei ganz interessante Heilige.

St SebaldSt. Sebald ist für die Franken und für die Nürnberger nun wirklich etwas ganz besonderes. Sebaldus ist ein Lokalheiliger. Den gibt es wirklich nur in Mittelfranken. Auf dem Aktuell ist er der rechte von beiden. Im Allgemeinen wird er bärtig mit einem Pilgermantel, dem Pilgergut und Pilgerstab abgebildet und manchmal hat er – wie auch bei uns – eine Kirche auf dem Arm. Klar, es ist die Sebalduskirche. Sebaldus war eine historische Person, auch wenn man historisch nicht recht viel Genaues weiß. Es gibt Legenden über ihn. In der ältesten heißt es, er sei ein französischer Königssohn gewesen, der seine Verlobung mit einer Prinzessin löste, um nach Rom zu reisen und dann als Glaubensbote und Einsiedler in der Gegend um Nürnberg zu leben. Vermutlich war das im Reichswald bei Poppenreuth.

Für die Nürnberger ist das immer noch ein Stachel, dass in Nürnbergs Gründertagen, das Nürnberger Pfarrgebiet zu Poppenreuth gehörte, also zu Fürth. Das muss man sich vorstellen: Die Nürnberger stammen von Fürth ab.

Der Legende nach spannten sich die Ochsen nach Tod des Sebaldus selber vor dem Wagen und brachten seinen Leichnam vom Reichwald zur Peterskapelle, der Vorgängerin der Sebalduskirche. Später wurde dann dort die dem Sebaldus geweihte Kirche errichtet.

Jedenfalls war Sebaldus von Anfang an der Stadtheilige von Nürnberg, der die Stadt beschützt. Man brauchte damals ja für alles und jeden einen Heiligen, der im Himmel quasi als Lobbyist für einen eintritt. Der Aufstieg der Stadt wurde dem Sebaldus zugeschrieben und so wurde dieser kleine mittelfränkische Lokalheilige berühmt und 1425 offiziell vom Papst heiliggesprochen.

Eine schöne Legende von Sebaldus kann auch uns heute Botschaft sein. Es wird erzählt, er habe bei der Familie eines geizigen Köhlers aus Eiszapfen ein Feuer entfacht. So habe er die Kaltherzigkeit des Köhlers zum Schmelzen gebracht. Ja, so ein Sebalduswunder würde man sich in unserer heutigen Zeit manchmal wünschen. Wie gut wäre es, wenn die Eiszapfen mancher Wirtschaftsbilanzen schmelzen würden und ein wenig mehr Herz in unser Land einziehen würde.

Und noch eine Besonderheit des Sebaldus will ich erwähnen. Seine Reliquien, also seine Gebeine, die eines katholischen und kanonisieren Heiligen werden in einer evangelischen Kirche aufbewahrt. Als Nürnberg evangelisch wurde, wollte die Nürnberger halt nicht ihren Heiligen hergeben, genauso wie die Wendelsteiner glücklicherweise in den letzten 5 Jahrhunderten ihren schönen Altar nicht hergegeben haben. Ein Zeichen der Ökumene.

Der zweite Stadtheilige ist der St. Lorenz oder Laurentius von Rom. Der ist nun im Gegensatz zum Lokalheiligen Sebald ein Weltenbürger: Nationalheiliger von Spanien und Patron von allerlei Berufen, die mit Feuer zu tun haben: Bäcker, Bierbrauer, Wäscherinnen, Büglerinnen, Glasbläser, Feuerwehrleute und Schüler und Studenten. Er ist einer der Stadtpatrone von Rom, Stadtpatron von Wuppertal, Merseburg und Nürnberg. Er ist Helfer bei Augenleiden, Fieber, Ischias, Hexenschuss, Hauterkrankungen, Verbrennung, Pest. Der St. Lorenz Strom und die St. Lorenz Inseln wurden nach ihm benannt. Also ein Heiliger mit Weltruhm.

Dargestellt wird der Heilige Lorenz im Diakonengewand, immer mit dem Rost, seinem Folterwerkzeug in der Hand und häufig, wie auch bei uns, mit der Märtyrerpalme. Wer war dieser Laurentius von Rom?

Auch hier überlagern sich Legende und historisch Belegbares. Lorenz begegnete im 3. Jahrhundert dem Papst Sixtus II auf einer Reise. Dieser nahm ihn mit nach Rom und machte ihn zum Archidiakon, also zum obersten Diakon in Rom. Das Römische Reich war damals noch nicht christlich. Der römische Kaiser Valerian löste eine Christenverfolgung aus und man weiß, dass Papst Sixtus am 6. August 258 enthauptet wurde. Kurz zuvor hatte er seinem Archidiakon Laurentius noch den Kirchenschatz anvertraut. Der Kaiser erfährt das und zwingt Lorenz, den Kirchenschatz heraus zu rücken. Dieser erbittet sich drei Tage Zeit. In dieser Zeit verteilt Lorenz den Kirchenschatz an die Armen. Am dritten Tag führt er dann alle Armen zum Kaiser und sagt ihm: Das ist der Kirchenschatz. Den Kaiser macht das wütend. Er lässt Lorenz foltern und auf einem Grill zu Tode rösten. Deshalb der Rost. – Grässlich gell.

Beeindruckend freilich die Botschaft des Lorenz: Der wahre Schatz der Kirche sind die Armen. Das kann man sich schon zum Vorbild nehmen. Nicht Gold, Silber und all die Dinge dieser Welt sind der wahre Schatz, sondern die Menschen, die wir haben. Einen besonderen Blick muss die Kirche immer für die Armen haben. Wie Kirche mit denen, die in der Gesellschaft benachteiligt werden, umgeht, daran muss sie sich messen lassen. Und natürlich darf sie dann auch nicht leise sein, wenn in der Politik die eh schon Schwachen auch noch stigmatisiert und nieder gemacht werden. Mehr will ich dazu gar nicht sagen.

Auch wenn die Heiligen für uns Evangelische keine Fürsprecher mehr im Himmel sind, so können Sie doch Vorbilder sein. So warnen uns auch heute noch St. Lorenz und St. Sebald auf unseren Dreikönigsaltar vor Kaltherzigkeit und Geringschätzung der Armen. Das ist eine zeitlose Botschaft, wie ich meine. Amen.

Der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen


Pfarrer Norbert Heinritz, Wendelstein