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Lk 13,23-24,   21.11.2007
Buß und Bettag
St. Georgskirche, Wendelstein


Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus. Amen.

Liebe Gemeinde,

heute ist Buß- und Bettag. Als offizieller staatlicher Feiertag wurde er abgeschafft. Er wurde vom öffentlichen Leben in den persönlichen Bereich verbannt. Als ob es nicht auch im Staat und in der Politik genügend Anlässe zur Buße und zur Umkehr gäbe.

Buße und Umkehr. Diese Worte haben einen düsteren klang. Wer redet schon gerne davon, einen falschen Weg eingeschlagen zu haben. Wer gesteht schon gerne Fehler ein. Wer gibt seine Umkehr schon gerne öffentlich zu. Und doch: Kein Mensch könnte leben, wenn er oder sie nicht auch umkehren würde, falsche Wege verlassen und sich neu ausrichten würde.

Es ist deshalb etwas besonderes und für mich bewegendes, wenn Menschen umkehren. Wenn zum Beispiel ein Politiker öffentlich und ohne Zwang zugibt, dass er Fehler gemacht und Dinge falsch eingeschätzt hat. Oder wenn ein Bruder zu seiner Schwester geht, mit der er in Streit liegt und sagt: Tut mir leid. Verzeihe mir. Lass uns wieder gut miteinander auskommen. Meinen Respekt haben sie jedenfalls, diese Menschen, die bereit sind falsche Wege zu korrigieren und umzukehren und sich neu auszurichten.

Heute der Buß- und Bettag: Gelegenheit sich zu besinnen. Wo bin ich gefragt, um zu kehren, die Richtung zu wechseln. Mein Leben zu ändern. Das ist vielleicht mühsam, aber am Ende steht ein Gewinn.

Buße, Umkehr haben einen düsteren Klang. Einen düsteren Klang haben auch die Worte unseres heutigen Predigtabschnitts aus dem Lukasevangelium.

Von der engen Pforte

22 Jesus ging durch Städte und Dörfer und lehrte und nahm seinen Weg nach Jerusalem.

23 Es sprach aber einer zu ihm: Herr, meinst du, dass nur wenige selig werden? Er aber sprach zu ihnen:

24 Ringt darum, [a]dass ihr durch die enge Pforte hineingeht; denn viele, das sage ich euch, werden danach trachten, wie sie hineinkommen, und werden's nicht können.

Liebe Gemeinde,

am Anfang steht da eine theologische Frage: kommen wenige ins Himmelreich oder werden es viele oder gar alle?

Eine Frage, die in der Theologie durchaus kontrovers diskutiert wird. Auf der einen Seite die Antwort, die sagt: Gottes Gnade und Güte ist viel größer als wir uns das vorstellen können. So wie Jesus sagt: in meines Hause sind viele Wohnungen! Die Rechtfertigung des Sünders allein durch Gnade ganz ernst. Wir alle stehen mit leeren Händen vor Gott.

Auf der anderen Seite die Antwort: es werden nur wenige sein. Die Auserwählten. Die, die besonders viel leisten. Oder zumindest die, die dazu gehören. Die Zeugen Jehovas haben dazu sogar die Zahl: 144000.

Im Neuen Testament gibt es tatsächlich für beide Seiten Aussagen. Einmal: Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid! Alle! Oder: Wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen. Auf der anderen Seite, Worte wie heute: viele werden danach trachten hineinzukommen und sie werden es nicht können.

Ich gehöre zu denen, die auf Gottes Gnade vertrauen. Ich rechne damit, dass Gottes offene Arme viel weiter sind als wir uns vorstellen können. Aber man darf auch die anderen Worte Jesu, wie das heute, nicht übergehen! Wie soll man das verstehen?

Jesus geht es nicht um theologische Fragestellungen. Ihm geht es nicht um ein allgemeines Nachdenken über Gott und die Welt und das Himmelreich. Ihm geht es immer um das persönliche Leben. Jesus sagt: Das Himmelreich hat eine Bedeutung für dich. Es soll dich in Bewegung setzten. Es ruft zur Veränderung. Zur Umkehr. Zur Buße.

Deshalb antwortet Jesus auch nicht mit einem theologischen Referat, sondern mit einer Aufforderung: Ringt darum, dass ihr durch die enge Pforte hineingeht;

Mit diesen Worten betont Jesus die Ernsthaftigkeit des Glaubens. Es geht um ein Ringen um das Himmelreich. Gegner dieses Ringkampfes sind nicht die andern, sondern das bin ich selber.

Das Himmelreich wird einem nicht als Sonderangebot hinterhergeschleudert. Qualität hat auch hier seinen Preis. Zum Glauben gehört die Freude und das Glück, von Gott beschenkt zu sein, dazu gehört auch Mut und Einsatz, den Weg des Glauben dann auch zu gehen.

Wir können uns den Himmel nicht erkaufen. Das wissen wir als Evangelische ganz genau. Das war die grundlegende Erkenntnis Martin Luther. Auf Gottes Gnade sind wir alle angewiesen.

Aber wir können den Himmel verfehlen. Wir können unser Leben verfehlen. Natürlich! Es ist nicht egal, wie wir leben. Es ist nicht egal, wie wir uns täglich entscheiden. Es ist nicht egal, welche Wege wir einschlagen.

Es lauert die Gefahr, dass wir im Leben einfach so zulaufen. Da habe ich so viel zu tun. Da warten täglich Aufgaben auf mich. Da habe ich doch das alles schon immer so gemacht. Wie viel Zeit nehme ich mir eigentlich, mir darüber Rechenschaft abzulegen, ob mein Weg überhaupt stimmt?

Wenn Jesus von der schmalen Pforte spricht, dann verstehe ich das so: es kostet Mühe da durch zu kommen und man verfehlt die Pforte auch leicht. Anders gesagt: Es kostet Mühe und Zeit, sich zu besinnen, sein Leben auszurichten, nach Gott zu fragen, immer wieder aufs Neue und nicht einfach so, wie gewohnt weiter zu gehen.

Martin Luther hat das so gesagt – wir haben das auf dem letzten Konfirmandentag miteinander besprochen: Jeden Tag soll man sich an seine Taufe erinnert: Es bedeutet, dass der alte Adam in uns durch tägliche Reue und Buße soll ersäuft werden und sterben mit allen Sünden und bösen Lüsten; und wiederum täglich herauskommen und auferstehen ein neuer Mensch, der in Gerechtigkeit und Reinheit vor Gott ewiglich lebe.

Ich kenne Menschen, die nehmen sich ganz bewusst Zeit, jeden Tag, 15 Minuten vielleicht, um sich auf Gott auszurichten. Sie haben meinen Respekt. Ich gebe zu, mir gelingt das mit den Anforderungen in Familie und Beruf oft nicht. Obwohl ich weiß, wie gut das ist und wie gut das tut. Für mich sind es eher die Zeiten der Predigtvorbereitung, die Einkehrtage, die Gottesdienste, die ich besuche. Wie dem auch sei: Jeder braucht das seine Zeit. Zeit zur Besinnung, zur Ausrichtung auf Gott, zur Buße, zur Umkehr. Um dann im Leben die richtigen Wege zu gehen.

Ob wir so ins Himmelreich kommen?

Noch einmal: Niemand kann sich das Himmelreich erkaufen. Auch nicht durch Buße und Umkehr. Zu Gott zu kommen, das ist Geschenk, das wir nur erbitten und empfangen können. Wir können uns da nur einladen lassen. Wir können nur auf Jesus schauen, unseren Retter, der Tür zum Himmelreich aufgeschlossen hat. An Gottes Gnade ist alles gelegen.

Wir können aber drauf achten, dass wir da nicht stracks an Gottes Reich vorbeilaufen! Daran erinnert uns Jesus heute. Ringt! Gebt euch Mühe! Hört auf die Worte Jesu! Folgt den Geboten! Nehmt euch Zeit zur Besinnung!

Buß- und Bettag, der Tag, der uns dazu ganz besonders die Chance gibt. In der Beichte haben wir die alten Dinge weggelegt, die uns belasten und ein für alle mal hinter uns gelassen. Zum Abendmahl sind wir eingeladen an den Tisch des Herrn zur Stärkung für alle die Wege, die wir gehen.

Der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus.

Amen.


Pfr. Norbert Heinritz