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Rechte Lebensführung

Eph 5,15-20, 21.9.2008, 18. Sonntag n. Tr. , St.Georg - Arche


Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus. Amen.

Predigttext (Eph 5,15-20)
15 So seht nun sorgfältig darauf, wie ihr euer Leben führt, nicht als Unweise, sondern als Weise,
16 und kauft die Zeit aus; denn es ist böse Zeit.
17 Darum werdet nicht unverständig, sondern versteht, was der Wille des Herrn ist.
18 Und sauft euch nicht voll Wein, woraus ein unordentliches Wesen folgt, sondern lasst euch vom Geist erfüllen.
19 Ermuntert einander mit Psalmen und Lobgesängen und geistlichen Liedern, singt und spielt dem Herrn in eurem Herzen
20 und sagt Dank Gott, dem Vater, allezeit für alles, im Namen unseres Herrn Jesus Christus.


Liebe Gemeinde,

wahrscheinlich kennen sie folgende oder eine ähnliche Situation: Die Eltern fahren in den Urlaub und das erste Mal bleibt der nun fast schon erwachsene Sohn allein zu hause. „Pass auf dich auf! Und schließ nachts immer ab! Vergiss nicht die Blumen zu gießen! Und komme nachts nicht so spät heim! Usw.“ Beim Abschiednehmen gibt es eine lange Reihe von gut gemeinten Ratschlägen!

Wahrscheinlich kennen Sie das – von der einen oder anderen Seite. Wahrscheinlich reden die meisten Eltern so – selbst wenn einen diese Worte als jungen Menschen selber manchmal genervt haben.

Paulus kommt mir hier auch so vor - wie ein Vater, der es mit seiner Gemeinde noch einmal gut meint, und zum Ende seines Briefes hin die verschiedenen Ermahnungen aneinander reiht.

Und vielleicht ging es Ihnen wir mir, bei diesem Bibelwort, dass ich erst einmal durchschnaufen musste – eben wie so ein Sohn, dessen Eltern gerade zum Urlaub aufbrechen. Ja, ja, immer diese die vielen Ermahnung.

Freilich: Ich habe mir die Ermahnung meiner Eltern dann doch meist zu Herzen genommen. Wenn sie in den Urlaub gefahren sind, habe ich die Blumen gegossen, abends abgeschlossen, usw. Es ist ja auch nicht schlecht, sich die Ermahnungen von Älteren und Erfahrenen genauer durch den Kopf gehen zu lassen und auch zu Herzen zu nehmen. Und erfahrener im Glauben und näher dran an Jesus als wir, war Paulus allemal. Also schauen wir uns doch mal diese Ermahnungen genauer an.

So seht nun sorgfältig darauf, wie ihr euer Leben führt. Damit beginnt es. Gewissermaßen eine Überschrift. Mit anderen Worten heißt das: Wir sollen nicht gedankenlos in den Tag hineinleben. Wir sollen unser Leben gestalten. Wir sollen es führen. Also: selber die Initiative zu ergreifen. Den Verstand einschalten und anfangen selbst Entscheidungen zu fällen, selbst die Weichen im Leben zu stellen.

Immer wieder erzählen mir Menschen, dass sie sich wie in einem Hamsterrad fühlen. Sie fühlen sich getrieben im Leben. Andere bestimmen den Tagesablauf, die Umstände in der Familie oder im Beruf scheinen das Leben zu regeln.

Manchmal erzählen mir auch schon Jugendliche, dass sie in der Schule so eingespannt sind, dass kaum noch Zeit bleibt. Und das bisschen, was noch da ist, wird dann verplant von Sport oder Musik. Auch sie sind schon gefangen und laufen im Hamsterrad. Wahrscheinlich haben die meisten dieses Gefühl, das eigene Leben nicht mehr selbst in der Hand zu haben, immer wieder ein mal. Nicht leben, sondern gelebt werden. Und mir geht es bei den vielen Anforderungen im Beruf immer wieder mal so.

Da ist es gut auf Paulus zu hören. Er schreibt: Halt! Achtet also genau darauf, wie ihr lebt, nicht als Törichte, sondern als Weise! Und weise ist in der Bibel, der inne hält, der genau hinschaut, wie die Welt ist, und der die Welt im Lichte Gottes sieht, sich nicht einfach treiben lässt, sondern klar entscheidet.

Weiter lesen wir: und kauft die Zeit aus; denn es ist böse Zeit. Die Zeit auskaufen. Das bedeutet die Zeit zu nutzen. Es ist ja so: wir haben nicht unendlich viel Zeit auf dieser Welt. Unser aller Zeit ist beschränkt und endlich. Da ist es schon wichtig, diese Zeit sinnvoll zu nutzen.

Denn es ist böse Zeit! Dazu fällt den Predigtschreibern immer viel ein. Denn zu allen Zeiten gibt es das Böse. Es ist böse Zeit. Ich habe mir das gedacht, als ich in den vergangenen Wochen die Finanznachrichten gelesen habe. Was die Rachgier an den Finanzmärkten nicht alles anrichten kann! Wenn die Profitgier auf das schnelle Geld so groß ist, dass am Schluss alles zusammenbricht, dann stimmt doch etwas nicht.

Neid, Gier, Hass, Eifersucht, Missgunst – das alles ist ja noch in der Welt. Das alles ist noch in uns. Kauft die Zeit aus. Das heißt nutzt die Zeit um dem Bösen etwas entgegen zu setzen: Liebe, Beistand, Hilfe oder manchmal einfach den gesunden Menschenverstand.

Darum werdet nicht unverständig, sondern versteht, was der Wille des Herrn ist, steht im Epheserbrief. Das finde ich ja bei all dem, was man zur Finanzkrise lesen kann, am verrücktesten: dass die Banker mit Dingen gehandelt haben, die die meisten gar nicht verstanden haben. Wie kann man so etwas tun?

Aber sind wir nicht ungerecht: Wie viel tun wir, ohne es wirklich zu verstehen! Darum werdet nicht unverständig, sondern versteht, was der Wille des Herrn ist. Keine schlechte Mahnung. Zu Verstehen nicht nur die einfachen oder auch komplizierten Zusammenhänge, sondern sogar den Willen Gottes. Dazu muss man innehalten und fragen: Was will Gott denn wohl jetzt heute und hier von mir? Was ist denn wirklich gut uns sinnvoll jetzt zu tun.

Und dann steht da: sauft euch nicht voll Wein! Nicht das Schlückchen Wein am Abend soll einen da mies gemacht werden. Das kann man sich ruhig schmecken lassen. Aber wenn man voll ist und das regelmäßig oder gar das Komasaufen der Jugendlichen – das ist nicht gut. Eine Warnung vor dem Alkoholismus – fast 2000 Jahr alt und immer noch aktuell.

Sauft euch nicht voll Wein, woraus ein unordentliches Wesen folgt. Ich kann Ihnen sagen, ich habe das oft genug erlebt, wie Menschen durch den Alkohol abgestürzt sind. Ein unordentliches Wesen – das ist da noch fein ausgedrückt. Da sollte man sich dann wirklich Hilfe suchen.

sondern lasst euch vom Geist erfüllen. Eine etwas erstaunliche Gegenüberstellung. Hier der Wein, dort der Geist Gottes. Sich vom Geist erfüllen lassen. Hat das etwas mit Rausch zu tun? Ja vielleicht. Wie soll das gehen, sich vom Geist erfüllen lassen? Paulus schreibt:

Ermuntert einander mit Psalmen und Lobgesängen und geistlichen Liedern, singt und spielt dem Herrn in eurem Herzen. Ja, singen, Gott loben, das kann einen erfüllen. In unseren Liedern liegt eine große Kraft. Singt und spielt dem Herrn in eurem Herzen. Das finde ich besonders schön gesagt. Glauben hat auch etwas spielerisches. Auch etwas leichtes und beschwingendes. Im Herzen den Herrn singen und spielen - Mir geht es manchmal so, dass mir ein Lied nachgeht. Dass es in mir klingt. Dann singe ich nicht mehr, sondern dann singt es in mir. Wie ein Lobgesang Gottes, der einfach in einem selbst ist. Kennen Sie das?

Und schließlich: sagt Dank Gott, dem Vater, allezeit für alles, im Namen unseres Herrn Jesus Christus. Das dürfen wir nie vergessen. Gott zu danken, für das was er uns gibt. Allezeit für alles. Was soll das nun wieder bedeuten? Ich verstehe das so, dass es immer etwas zu danken gibt.

Mir hat mal jemand nach einen Herzinfarkt gesagt: „Ich bin Gott dankbar dafür. Er hat mich auf den Boden zurückgeholt. Ich habe es einfach übertrieben. Ich bin ihm dankbar, dass ich noch lebe. Jetzt sieht mein Leben ganz anders aus.“ So kann das aussehen: Gott dankbar sein, allezeit für alles.

Also, liebe Gemeinde, das sind die gut gemeinten Mahnungen des Paulus, die er aus der Ferne seiner Gemeinde schreibt. Zusammengefasst mit eigenen Worten: Führt achtsam euer Leben! Nutzt die Zeit, die ihr habt, zum Guten. Versucht zu verstehen, was ihr tut. Schaltet euren gesunden Menschenverstand ein. Haltet auch immer wieder inne und fragt nach Gottes Willen. Sauft euch nicht zu, sondern lasst euch von Gottes Geist füllen. Dazu hilft das Singen und das Loben. Und vor allem: Seid Gott dankbar! Ob wir uns die Ermahnung auch zu Herzen nehmen. Das liegt an uns.

Der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

Pfr. Norbert Heinritz, Wendelstein