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Umweltsünden

Vorletzter So. im Kirchenjahr
18.11.2007
Jer 8,4-7



Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus. Amen.

Predigttext (Jer 8,4-7)

4 Sprich zu ihnen: So spricht der HERR: Wo ist jemand, wenn er fällt, der nicht gern wieder aufstünde? Wo ist jemand, wenn er irregeht, der nicht gern wieder zurechtkäme?

5 Warum will denn dies Volk zu Jerusalem irregehen für und für? Sie halten so fest am falschen Gottesdienst, dass sie nicht umkehren wollen.

6 Ich sehe und höre, dass sie nicht die Wahrheit reden. Es gibt niemand, dem seine Bosheit leid wäre und der spräche: Was hab ich doch getan! Sie laufen alle ihren Lauf wie ein Hengst, der in der Schlacht dahinstürmt.

7 Der Storch unter dem Himmel weiß seine Zeit, Turteltaube, Kranich und Schwalbe halten die Zeit ein, in der sie wiederkommen sollen; aber mein Volk will das Recht des HERRN nicht wissen.

Liebe Gemeinde,

gestern abend – vielen von Ihnen werden es auch gesehen haben - war die erste Nachricht in der acht Uhr Tagesschau: Die Klimaerwärmung auf unserer Erde ist eindeutig. Experten aus mehr als 130 Ländern haben sich jetzt darauf verständigt. So steht es nun im aktuellen Weltklimabericht der Vereinten Nationen. Der UN-Klimarat hat bestätigt, was viele, viele Wissenschaftler ja schon seit Jahren sagen: die Klimaerwärmung wird von menschlichen Aktivitäten verursacht. Vor allem durch das Verbrennen von fossilen Brennstoffen. Zugleich enthält das Papier Vorschläge zur Verhinderung von Katastrophen durch die Erderwärmung.

Die Frage, die man sich als Zuschauer freilich sofort stellt: Führt das jetzt zu einer Umkehr? Verändern wir Menschen jetzt unser Verhalten? Gelingt es entgegen zu steuern? Oder rennen wir sehenden Auges in die Katastrophe?

Unser Bibelwort heute könnte treffender nicht sein. Da hören wir aus dem Mund des Propheten Jeremia die Worte Gottes: Wie ist das eigentlich mit euch, ihr lieben Menschen? Wo ist jemand der einen Irrweg einschlägt und es merkt, der dann nicht umkehrt und den richtigen Weg nimmt? Warum kehrt ihr nicht um? Warum ging dieses Volk damals in Jerusalem, warum gehen die Menschen noch heute immer wieder immer weiter in die Irre und kehren nicht um?

Liebe Gemeinde, ist so der Mensch? Verbohrt, uneinsichtig, starrsinnig oder einfach zu kraftlos oder zu bequem, umzukehren und den Weg zu verändern. Ist so der Mensch?

Heute ist Volkstrauertag. Wir gedenken der Opfer der beiden Weltkriege. Und natürlich fragt man sich: Warum? Warum wurde nicht rechtzeitig umgekehrt? Warum hat man nicht rechtzeitig aufgehört? Musste erst alles in Trümmern liegen? Wir denken auch daran, wie viele Kriege und Opfer es auch seitdem noch gegeben hat. Ist so der Mensch?

Man kann auch an ganz persönliche Begegnungen denken. Jeder und jede von Ihnen kennt das doch: Da läuft jemand wider besseren Wissens immer noch in die falsche Richtung. Eines der krassesten Beispiele, die ich selber kennen gelernt habe. Einem Mann wird das Bein abgenommen. Der Arzt rät ihm, dringend mit dem Rauchen aufzuhören. Er raucht weiter. Es folgt die Abnahme des zweiten Beines. Er raucht weiter. Dann sogar noch die Abnahme eines Armes. Er raucht mit einer Hand weiter. Dann der Tod. Ich musste ihn beerdigen.

Ist so der Mensch? Nicht nur. Gott sei Dank. Es gibt auch andere Beispiele. Menschen, die rechtzeitig die Kurve gekriegt haben. Menschen, die ihre politische und persönliche Macht zur Umkehr genutzt haben. Gott sei Dank. Unser Bibelwort heute freilich erinnert uns: Der Mensch ist auch so! Dickköpfig, starrsinnig, uneinsichtig, verbohrt oder einfach nur zu kraftlos und bequem, um umzukehren. Dann sagt man sich: Ist doch gar nicht so schlimm? Was habt ihr denn? Warum soll denn gerade ich anfangen? Die andern sind doch auch nicht anders.

In unserem Bibelwort hören wir: Gott leidet an diesem Sosein des Menschen. Gott versteht seine Menschen nicht. Ist es eigentlich nicht selbstverständlich, dass jemand der fällt wieder aufsteht? Gott kann nicht verstehen, wie da einer liegen bleibt. Ist es nicht selbstverständlich, dass jemand, der in die Irre geht und das merkt, dann sofort umdreht und den richtigen Weg einschläft? Gott kann nicht verstehen, warum Menschen dann einfach immer noch weitergehen. Gott fragt: gibt es denn niemand, der Fehler einsieht, gibt es denn niemand, dem es leid tut und sagt: Was habe ich denn nun getan? Die Tauben, die Kraniche, die Schwalben erscheinen Gott vernünftiger als seine Menschen. Die halten ihren Zeiten ein. Die wissen, wenn es Zeit ist, umzukehren und zurück zu fliegen, bevor es zu spät ist. Aber die Menschen?

Auch so ist Gott: Er wundert sich über die Menschen. Er versteht sie nicht. Er leidet an ihnen. In menschlichen Bildern gesprochen: Wie oft schlägt er die Hände über dem Kopf zusammen und schüttelt denselben über uns. Gott leidet am Unglauben und an der Unvernunft der Menschen.

Die Hoffnung, die da bleibt, ist, dass er, Gott, und nicht verlässt. Dass er selber dazwischen tritt und uns aufhält. Wie hier mit Jeremia. Mit seinem Wort. Dass er uns aufrüttelt: Kehrt um! Glaubt! Seid vernünftig! Geht den rechten Weg! Achtet das göttliche Recht! Die Hoffnung ist, dass sein Wort uns erreicht und uns verändert.

Die Hoffnung, die bleibt, ist, dass er, Gott, selber dazwischen getreten ist. Zwischen unserem Sosein als Menschen und den daraus entstehenden Folgen. Ein für alle mal ist Gott dazwischen getreten zwischen der Sünde und dem Tod, zwischen dem Unglauben und dem Untergang. Mit Jesus hat Gott das getan. Seinem leibhaftigen Wort. So sehr hat Gott an unserem Sosein gelitten, dass er Jesus gesandt, um uns aufzuhalten, um uns vom Tod und Untergang zu erretten. Seine Botschaft: Stopp! Kehrt um! Glaubt an das Evangelium! Lasst euch erretten von Gott!

Ob wir Gottes Wort wirklichen hören? Ob wir umkehren zu ihm? Oder rennen wir weiter auf unser Unheil zu?

Dafür dass Gott die Menschen erreicht und ergreift, dass sie umkehren und neue Wege gehen: Auch dafür gibt es ja genügend Beispiele:

Liebe Gemeinde, es gibt auch diese Beispiele. Gott sei Dank. Gott tritt dazwischen. Er stellt sich uns in den Weg. Wir können umkehren und andere werden. So ist die Frage: Wo stellt sich vielleicht Gott dir heute in den Weg und sagt: Kehr um! Es ist an der Zeit? Mache es wie Taube, Kranich, Schwalbe. Kehr rechtzeitig um, bevor es zu spät ist? Dann tu es, im Vertrauen auf Gott, der uns allein lässt.

Tja, und wie wird es nun im dem Klima werden? Wie geht es mit dem Klimaschutz weiter? Werden wir einfach so weiterrennen, dem Abgrund zu? Wenn ich Ihnen das sagen könnte! Aber wir können etwas tun.  Beten. Gott bitten, dass er dazwischentritt. Dass er den Verantwortlichen Kraft und Mut gibt für die richtigen Entscheidungen. Auch uns ganz persönlich! Kraft und Mut, umzukehren. Zu sehen, wo wir ganz persönlich unser Verhalten ändern können um CO2 einzusparen. Umkehr ist möglich!


Amen.

 

Pfr. Norbert Heinritz, Wendelstein