TRINITATIS – was ist das?
Ein Taufgottesdienst
2. Kor 13,11+13, 18.5.2008, Trinitatis, St.
Georg Pfr. Norbert Heinritz, Wendelstein
Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus. Amen.
Predigttext
(2. Kor 13,11+13)
[11] Zuletzt, liebe Brüder, freut euch, lasst euch zurechtbringen, lasst euch mahnen, habt einerlei Sinn, haltet Frieden! So wird der Gott der Liebe und des Friedens mit euch sein. [13] Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen!
Liebe Gemeinde,
jeder Gottesdienst, auch der heute beginnt im Namen des dreieinigen Gottes, im Namen des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes. Wir taufen heute den Felix. Und wir tun auch das im Namen des dreieinigen Gottes, im Namen des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes.
Doch welche Bedeutung hat es, dass wir auf den dreieinigen Gott taufen? Was bedeutet das eigentlich: Dreieinigkeit – oder wie man es auch nennt: Dreifaltigkeit oder Trinität?
Unser Sonntag heute ist eigentlich ein Festtag. Im Bewusstsein der Kirchgänger schon länger verschwunden. Wir feiern das Fest der Dreieinigkeit: Trinitatis. Die vielen Sonntage im Sommer zählen wir nach Trinitatis.
Es ist ein Fest, das wohl auch deshalb aus den Köpfen verschwunden ist, weil es dazu kein biblisches Ereignis gibt. Wir haben drei Hochfeste im Jahr: Weihnachten, Ostern, Pfingsten. Da gibt es immer noch einen zweiten Feiertag. Bei diesen Festen geht es um drei wichtig Heilstaten. An Weihnachten geht es um den himmlischen Vater, der uns Jesus auf die Welt sendet. An Ostern feiern wir Jesus, den Sohn, und mit seiner Auferstehung den Sieg über den Tod. Und an Pfingsten geht es um die Ausgießung des heiligen Geistes. Danach kommt das Dreieinigkeitsfest. Die Frage heute an Trinitatis: Wie gehören drei zusammen?
Um das zu verstehen, muss man weit zurückgehen in die Kirchengeschichte. Die Wurzeln des Dreieinigkeitsfestes gehen zurück ins 3. Jahrhundert. Damals war die Frage nach der Dreieinigkeit ein gewaltiges Thema, das die Theologen aber auch die ganz einfachen Christen beschäftigt hat. Es gab damals den sogenannten Arianischen Streit, benannt nach einen Theologen namens Arius.
Die Frage war eine, die auch heutzutage immer noch spannend ist und immer wieder zum Thema von Zeitschriften und Fernsehsendungen wird: Wer war eigentlich Jesus?
In diesem Streit war immer klar: Jesus war ein Mensch hier auf Erden. Dass es auch theologische Richtungen gab, die dies bestritten, lassen wir hier mal beiseite. Jesus lebte als Mensch in Israel, wurde geboren, hat gepredigt, wurde verurteilt und gekreuzigt. Das war im arianischen Streit unbestritten. Der Streitpunkt war: War Jesus auch Gott?
Arius sagte damals „Nein!“ Es gibt nur einen einzigen Gott. Es kann nur einen einzigen Gott geben. Arius war streng monotheistisch. Jesus war für ihn und seine Anhänger zwar ein besonderer Mensch, Gott ganz nah, aber eben ein Geschöpf Gottes, wie ein jeder und eine jede von uns. Jesus war Gott untergeordnet. Von ihm geschaffen und nicht mit Gott wesensgleich. An diesem einen Begriff wesensgleich – im Griechischen: homoousios – kristallisierte sich der Streit.
War Jesus mit Gott wesensgleich? Diese Frage war nicht unbedeutend. Sie ist bis heute nicht unbedeutend. Mit ihr steht nicht weniger als das Heil der Menschen auf dem Spiel. Denn: kann ein gewiss außergewöhnlicher Mensch, aber eben ein Mensch wie du und ich, die Menschheit von Sünde und Schuld erlösen? Kann ein Geschöpf die Abgerissene Brücke zwischen Gott und seinen Geschöpfen wieder aufbauen? Oder braucht es da nicht Gott selber? Muss da Gott nicht selber anwesend und tätig sein? Im Grund also die Frage: Schafft die Menschheit selber den Weg zu Gott oder kommt Gott zu den Menschen, um sie zu retten?
Vielleicht haben Sie sich vorhin nertappt, dass sie ganz ähnlich wie Arius damals denken. Viele denken heute so: Jesus ein besonderer Mensch, aber halt Mensch wie wir. Aber die arianische Lehre wurde damals verworfen. Nicht ein Geschöpf bahnt uns den Weg zu Gott, sondern Gott kommt in Jesus zu uns in die Welt. Oder anders gesagt: Nicht wir finden Gott, sondern Gott findet uns. Oder noch einmal anders gesagt: Dass wir heute hier Gottesdienst feiern, ist nicht einfach das Werk eines Menschen. Gott selber steht da dahinter.
Oder in der theologischen Sprache von damals: Jesus wahrer Mensch und wahrer Gott, wesensgleich mit Gott. Das Ergebnis dieses langen theologischen Streites sprechen wir manchmal an besonderen Festtagen mit dem nizänischen Glaubensbekenntnis. Dort heißt es: wahrer Gott vom wahren Gott, gezeugt, nicht geschaffen, eines Wesens mit dem Vater.
Und jetzt noch ein theologischer Schritt: Wenn Jesu wesensgleich mit dem Vater ist, wie verhält es sich dann eigentlich mit Gott? Ist der jetzt zwei? Oder wenn man – wie dann auch geschehen - den Geist Gottes dazu nimmt: Sind es dann drei Götter? Gott kann doch nur einer sein!
So kam es zur Lehre von der Dreieinigkeit. Sie besagt: Gott ist einer, aber in dreifacher Gestalt. In verschiedenen Vergleichen wird das immer wieder beschrieben: Das Dreieck hat drei Seiten, ist aber dennoch nur eine Figur. Ein Akkord besteht aus mehreren Tönen, zusammen aber bilden sie einen Klang. Die Sonne ist nur eine, doch erscheint sie uns als Licht, Wärme und Strahlung. Die Rose ist ein Wesen, besteht aber aus Blüte, Farbe und Geruch.
Die Wurzeln der Dreieinigkeitlehre finden wir schon in der Bibel, z.B. in unserem Bibelwort. Die Gnade Jesu, die Liebe Gott, die Gemeinschaft des Geistes. Hier sind die drei Ausdruckformen und Werke Gottes genannt: Jesus erlöst aus Gnade, Gott schafft die Welt aus Liebe, und der Geist schenkt uns Gemeinschaft.
So weit, liebe Gemeinde, unser Ausflug in die Theologie und in die Theologiegeschichte. Jetzt aber wieder zurück hierher zu uns und zu unserer Taufe von Felix. Was heißt diese Lehre von der Dreieinigkeit Gottes eigentlich für uns? Nun natürlich möchte ich heute am Dreieinigkeitsfest Ihnen drei Antworten geben.
1. Die erste Antwort ist ganz praktisch. Als Christen werden wir immer öfter gefragt: Wie ist das eigentlich mit euch? Habt ihr drei Götter? Wenn man mit Muslimen redet, kann man das schnell erleben: die Fragen so! Nicht nur Pfarrer und Theologen, auch die ganz normale Gemeindeglieder können so gefragt werden, auch Felix. Ich finde es für uns Christen peinlich, wenn man dann nichts darauf sagen kann. Man muss ja nicht die Theologiegeschichte kennen. Aber nur ratlos dastehen? Es ist nicht schlecht, dann antworten zu können: Wir glauben an einen Gott, in verschiedenen Erscheinungsweisen. Eben wie z.B. das Dreieck oder die Sonne
2. Die Lehre von der Dreieinigkeit erinnert uns daran, dass Jesus nicht einfach nur ein toller Mensch war. Ein Vorbild zum Nacheifern. Nein, in Jesus kam Gott selber in diese Welt. Gott wurde Mensch. Und deshalb ist Gott nichts Menschliches mehr fremd. Selbst der Tod nicht.
Gott ist kein ferner Gott mehr. Gott kommt uns in Jesus ganz nah. Er teilt unsere Sorgen, Freude, Leid. Für mich ist das Grundlage meines Glaubens. Was immer auch kommt ich bin nicht allein? Ich bin Gott nicht fremd?
Gott ist auch dem Felix nicht fremd. In der Taufe wirkt Gottes Geist. Felix ist in seinem Leben nicht allein. Was immer auch kommt. Nichts kann ihn aus dieser Liebe reisen!
3. Dieses Geheimnis der Dreieinigkeit, dass Gott drei in einem ist, führt uns auch zum Geheimnis des Menschen. Wie Gott sich uns entzieht, wenn wir ihn einfach und klar beschreiben wollen, so entziehen sich auch die Menschen. Letztlich auch ich mir selber. Ein Mensch ist immer mehr, als ich von ihm denke und weiß. Ich bin immer mehr als ich mir vorstelle. Und auch beim Felix ist das so: Unsere Kinder sind viel mehr, als wir uns von ihnen denken.
Wie schnell neigen wir dazu, uns selbst und andere fest zu legen: „So bin ich halt. Genau so ist der doch.“ Nein, ich bin immer auch anders. Und der andere Mensch hat so vielen Seite, die ich überhaupt nicht kenne. Wissen Sie wirklich alles von sich, geschweige denn von einen andern? Nie und nimmer nicht.
Das Geheimnis der Trinität Gottes verweist uns auf das Geheimnis des Menschen. Es gehört zum Leben und zu unserer Lebendigkeit dazu, dass wir nicht einfach fassbar und beschreibbar sind, so wie Gott nicht einfach fassbar und beschreibbar ist. Sich immer wieder daran erinnern zu lassen, halte ich für ganz wichtig. Gerade in einer Welt, in der alles beschrieben und gezählt und festgehalten wird. Der Mensch geht nicht auf in unseren Beschreibungen und Vorstellungen über ihn. Auch Felix nicht. Möge Gott Ihnen die Erziehung Ihres Kindes gelingen lassen.
Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen!
Amen
Pfr. Norbert Heinritz, Wendelstein