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80 Jahre Posaunenchor Wendelstein
14. Oktober  2007
Kol. 3, 16
Wendelstein, St. Georg/Arche
Posaune
Kol 3,16, 14.10.2007, Posaunenchorjubiläum, St. Georg Pfarrer Norbert Heinritz


Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus. Amen.


Lasst das Wort Christi reichlich unter euch wohnen: lehrt und ermahnt einander in aller Weisheit; mit Psalmen, Lobgesängen und geistlichen Liedern singt Gott dankbar in euren Herzen.


Liebe Gemeinde,


80 Jahre Posaunenchor in Wendelstein. Das ist eine großartige Sache. 80 Jahre lang begeisterte Musiker, raumerfüllende Klänge, Begleitung von Gottesdiensten, Spielen bei ganz unterschiedlichen Anlässen, an ganz unterschiedlichen Orten, auch im Freien, zur menschlichen Freude und zu Gottes Ehre.

Ich bin froh, dass es hier in Wendelstein so einen agilen und spielfreudigen Posaunenchor gibt. Das ist nicht selbstverständlich. Das ist ein Geschenk. Da investieren unserer Musikerinnen und Musiker viel Zeit, zum Teil auch Geld in Instrumente. Da werden Jungbläser ausgebildet, da kommen und spielen die andern bis ins Hohe Alter. Da hält man es abends bei der Probe lange aus, da steht man sonntags früh auf und gestaltet die Gottesdienste mit, und das – wie ich mittlerweile schon mitbekommen habe – nicht selten, sondern richtig oft. Das alles ist nicht selbstverständlich. Auch nicht, wenn es jetzt schon 80 Jahre lang so ist. Da müssen wir heute alle laut und deutlich danke sagen.

Lasst das Wort Christi reichlich unter euch wohnen: lehrt und ermahnt einander in aller Weisheit; mit Psalmen, Lobgesängen und geistlichen Liedern singt Gott dankbar in euren Herzen, haben wir vorhin in der Lesung gehört. Mit anderen Worten heißt das: Das Singen, Loben, Danken und Musizieren ist in unserer Kirche genauso wichtig wie das Hören auf das Wort. Im Hören auf das biblische Wort spricht Gott uns an und mit Psalmen, Lobgesängen und geistlichen Liedern antworten wir ihn. Ein Gottesdienst und eine Kirche ohne Musik - unvorstellbar. Wie trocken und leer wäre das! Ich würde mich da nicht mehr zuhause fühlen. Und wahrscheinlich geht es vielen von Ihnen auch so.

Es ist gerade die Musik, die manch einem und manch einer den Glauben aufschließt, weil sie unser Herz erreicht. Und nicht wenige sind schon sonntags aus dem Gottesdienst gegangen, ohne von der Predigt viel mitzunehmen, aber mit einem Lied im Herzen, mit einem Lied, das nachklang, das einfach in einem war und einen erfüllte. Wir können die Musik in unseren Kirchen nicht hoch genug schätzen.

Danke also, dass es unseren Posaunenchor gibt. Danke, allen die mitspielen.

So ein Posaunenchor einer Kirchengemeinde ist etwas besonderes. Er ist mehr als nur irgendeine Musikgruppe, die sich auch ganz wo anders treffen und spielen könnte.

Es ist etwas besonderes, wenn da der jüngste Bläser 12 Jahre alt ist und er älteste 86 Jahre. Wo gibt es das schon in einer Kirchengemeinde? Wo gibt das überhaupt, dass jung und alt sich so eng zusammentun? Unser Posaunenchor verbindet die Menschen über die Generationen hinweg. Das ist ein heutzutage ganz besondere Leistung.

Es ist etwas besonderes, wenn nicht nur Junge und Alte, sondern auch Männer und Frauen, Einfache und Gebildete, welche mit mehr und welche mit weniger Einkommen miteinander Musik machen. Die Musik im Posaunenchor verbindet über Grenzen hinweg. Das einzige, was man halt können muss: ein Blechblasinstrument spielen. Das hat mich schon immer bei Posaunenchören beeindruckt – auch wenn ich mangels Fähigkeit nicht mitspielen kann - , dass da so viele verschiedene Menschen auch mit unterschiedlichen Meinungen und Ansichten zusammenkommen und dann, wenn sie miteinander spielen zwar vielstimmig, aber doch harmonisch Musik machen.

So finde ich, sollte doch auch sonst in der Gemeinde sein: Die Verschiedenheit der Stimmen achten und respektieren - wir brauchen keine einstimmige Gemeinde - und dann zusammen klingen und ein ganzes ergeben. Dazu muss man aufeinander hören und einen gemeinsamen Rhythmus finden. Dabei sind die, die ganz ruhig und kräftig oft im Hintergrund ihre Arbeit machen. genauso wichtig, wie die, die im Vordergrund ganz laut und klar tönen. Und die, die im gleichen Rhythmus über lange Zeit die Sache vorantreiben, sind genauso wichtig, wie die, die ganz kurz ihre Akzente setzen. Lassen Sie uns alle daran mittun, dass es in unserer Gemeinde zu einen guten, fröhlichen und frischen Zusammenklang kommt.

Und schließlich ist ein Posaunenchor etwas besonderes, weil er nicht Musik macht, weil es eine Gaudi ist, auch nicht des Geldes wegen, noch nicht einmal um der Musik willen. Ein Posaunenchor spielt zur Ehre Gottes. Er spielt um Gott zu loben, so, dass er, Gott, und die Menschen es hören können, welche Freude wir an ihm haben und manchmal auch, welche Klage und welche Sorgen uns umtreiben. Das ist ja der eigentliche Sinn der Posaunenmusik.

Mein Sohn, 12 Jahre alt, spielt auch seit geraumer Zeit Trompete in einem Posaunenchor, vielleicht - wenn wir umgezogen sind – dann auch hier. Er hat mir mal mit Entsetzen von einem jugendlichen Mitspieler erzählt: „Der sagt offen: er glaubt nicht an Gott. Warum spielt der denn überhaupt mit? Ich finde so jemand sollte überhaupt nicht mitspielen dürfen.“ – Im ersten Augenblick habe ich mir auch gedacht, was macht eigentlich jemand im Posaunenchor, der mit Glauben und Kirche und Gott nichts anzufangen weiß. Aber dann habe ich mir überlegt: Er spielt mit. Er spielt diesen schönen Choräle und Sätze. Durch sein Spielen - wenn er nicht absichtlich falsch spielt – wird der Chor bereichert. Auch sein Spielen belebt den Gemeindegesang. Auch er spielt zur Ehre Gottes, ob er glaubt oder nicht. Auch seine Töne loben Gott. Darauf kommt es doch an. Und vielleicht freut sich Gott über seine Töne besonders, weil es das einzige ist, was er an ihm hat.

Gott zu loben, das ist der Sinn eines Posaunenchors. Und das hängt nicht von unserem Glauben ab. Wer kann sich schon auf seinen Glauben etwas einbilden! Gott zu loben hängt nicht vom Alter der Musiker ab. Es hängt nicht davon ab, ob wir professionell oder einfach aus Freude spielen. Es hängt noch nicht einmal von der Spielkunst eines Posaunenchors ab. Selbst schräge Töne können zum großen Lobe Gottes werden. Wovon hängt das Loben dann ab? Einfach davon, das man es tut: Gott loben! Mit unserem ganzen Leben, mit unserem Singen und Beten, unseren Worten und Werken unserem Tun und Lassen. Mit Psalmen, Lobgesängen und geistlichen Liedern singt Gott dankbar in euren Herzen. Lassen wir uns darin, liebe Gemeinde, von unseren Posaunenchor inspirieren und anstecken. Amen.

 

Der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen


Pfarrer Norbert Heinritz