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1 Kor 3,9-15, 10.8.2008, 12. So. n. Trinitatis, St. Georg/Arche

Wir sind Gottes Mitarbeiter

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus. Amen.

Predigttext
 
9 Wir sind Gottes Mitarbeiter; ihr seid Gottes Ackerfeld und Gottes Bau. 10 Ich nach Gottes Gnade, die mir gegeben ist, habe den Grund gelegt als ein weiser Baumeister; ein anderer baut darauf. Ein jeder aber sehe zu, wie er darauf baut. 11 Einen andern Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus. 12 Wenn aber jemand auf den Grund baut Gold, Silber, Edelsteine, Holz, Heu, Stroh, so wird das Werk eines jeden offenbar werden. Der Tag des Gerichts wird's klarmachen; denn mit Feuer wird er sich offenbaren. Und von welcher Art eines jeden Werk ist, wird das Feuer erweisen. 14 Wird jemandes Werk bleiben, das er darauf gebaut hat, so wird er Lohn empfangen. 15 Wird aber jemandes Werk verbrennen, so wird er Schaden leiden; er selbst aber wird gerettet werden, doch so wie durchs Feuer hindurch.

Liebe Gemeinde,

Das hättet sich Paulus nicht träumen lassen. Fast 2000 Jahre nach seinem Brief an die Gemeinde in Korinth wird noch immer gebaut am Aufbau der Gemeinde, am Bau der christlichen Kirche. Längst ist es nicht mehr die kleine korinthische Gemeinde, längst ist es nicht mehr diese kleine christliche Splittergruppe im römischen Reich, längst ist es nicht mehr - um im Bild des Baues zu bleiben – ein kleine Gartenhäuschen. Mittlerweile ist daraus ein monumentales Bauwerk geworden, das die ganze Welt umspannt. Das Christentum ist Weltreligion. Viele Sprachen werden in diesem Haus gesprochen, verschiedene Konfessionen leben darin, ganze Bollwerke von Traditionen und Bräuchen wurden errichtet und manchen Elfenbeintürme der Theologie schweben oben bei den Wolken. Ein bizarres und vielschichtiges Gebilde. Und noch immer wird daran weitergebaut, an vielen Orten dieser Welt von vielen ganz verschiedenen Mitarbeitern.

Wir sind Gottes Mitarbeiter, schreibt Paulus. Er meint sich, seine Mitstreiter und sogar seine Kritiker. Er, Paulus, hatte die Gemeinde in Korinth gegründet – eben den Grund gelegt. Andere haben daran weitergebaut. Und mittlerweile sind es unübersehbar viele Mitarbeitende geworden, die an der weltweiten Kirche bauen – manchmal mit ganz unterschiedlichen Plänen und Vorstellungen, wie diese Kirche aussehen soll.

Was ist nun in den Jahrhunderten daraus geworden? Wie sieht sie mittlerweile aus, die Kirche? Oder sollte man besser sagen, diese Summe vieler Kirchen, Gemeinden, Konfessionen?

Manche sehen einfach ein großes Durcheinander. Das ist nicht falsch. Dieser Bau ist nicht einfach symmetrisch, vom Reisbrett her klar gegliedert. Und schon gar nicht übersichtlich. In Deutschland sind die beiden großen Kirchen, die evangelische und die katholische, und noch einige kleinere Konfessionen. Das können sich sogar die Konfirmanden merken. Im Weltganzen ist es freilich viel komplizierter. Allein dem ökumenischen Rat der Kirchen in Genf gehören mehr als 300 christliche Mitgliedskirchen an. Das Bauwerk Kirche gleicht einer Burg, die oft umgebaut, renoviert und angebaut wurde, mit vielen verschiedenen Häusern und Türmen, aus ganz verschiedenen Zeiten und mit unterschiedlichem Aussehen. Darin liegt auch der Reiz. Die Vielheit der Glaubensformen und Traditionen kann man durchaus als Bereicherung sehen. Aber das wesentliche von Kirche ist das nicht.

Manche sehen in der Kirche einen Prunkbau, einen Palast. Auch sie haben nicht ganz unrecht. Insgesamt gesehen sind die Kirchen reich. Die Kirchen haben Einfluss und Macht. Viele kritisieren das. Ich finde das gar nicht so schlecht. Macht haben heißt ja: Energie und Kraft haben. Etwas bewegen können. Ein gewichtiges Wort in die Waagschale werfen können. Es kommt darauf an, wofür Kirche ihre Macht einsetzt. Dient sie nur, die eigenen Pfründe zu verteidigen oder geht es ihr um die Botschaft von Gottes Liebe an alle Menschen. Mir ist eine machtvolle Kirche, deren Wort man hört, lieber, als eine Kirche, die nur noch ein Nischendasein fristet. Aber das Wesentliche von Kirche ist das nicht!

Manche sehen in der Kirche ein großes Amtsgebäude. Auch das ist nicht falsch: Die Kirche ist Institution. Und Institutionen braucht Regeln. Ob es freilich sein muss, dass in unserer bayerischen Landeskirche die offizielle Rechtssammlung des kirchlichen Rechtes dreimal so dick ist wie die Bibel. Das Wesentliche von Kirche ist das jedenfalls nicht!

Manche sehen in der Kirche ein Gesellschaftshaus. Auch sie haben nicht unrecht: das miteinander feiern, die Geselligkeit, die Freundschaften und Beziehungen, die man in der Kirche finden kann, sind ganz wichtig für Gemeinde. Die Gemeinschaft - die Koinonia - gehört dazu. Die Gemeinschaft der Heiligen nennen wir die Kirche im Glaubensbekenntnis. Aber das im Kern Wesentliche von Kirche ist das auch nicht.

Manche sehen die Kirche als modernes Dienstleistungsgebäude. Auch ist nicht falsch. Kirche hat den Menschen zu dienen. Der Dienst an den Menschen gehört zur Kirche dazu, dass sie für die da ist, die Hilfe brauchen, für die Kranken und Alten, für die Armen und Ausgegrenzten, für Jugendliche und Kinder, Kirche ohne Diakonie kann es nicht geben. Aber das im Kern Wesentliche ist das immer noch nicht.

Was ist es denn nun, das im Kern Wesentliche von Kirche? Hören wir auf den Apostel Paulus: Das wichtigste in unserem Abschnitt steht in der Lutherbibel dick gedruckt. Einen andern Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus. Er, Jesus ist das Fundament. Auf diesen Fundament wird die Gemeinde die Kirche gebaut. Das Wesentliche ist der Glaube an den lebendigen und Auferstandenen Jesus Christus.

Mit andern Worten: Das Fundament sind nicht die Pfarrer und Pfarrerinnen und Priester. Nicht Paulus und auch nicht der Papst.

Das Fundament sind auch nicht die Dogmen und Lehren. Die sind gewiss wichtig. Wie sollte man sonst vom Glauben reden. Aber unumstößlich sind sie nicht.

Das Fundament ist noch nicht einmal die Bibel. Sie ist zwar unendlich kostbar und wichtig für uns und unseren Glauben. Und doch gibt es einen feinen Unterschied. Wir glauben nicht an Christus, weil es in der Bibel steht. Sondern es ist umgekehrt. Für uns ist die Bibel so wichtig, weil sie von Christus zeugt. Dem lebendigen, auferstandenen Sohn Gottes.

Einen andern Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus. Das Fundament ist der lebendige und auferstandene Jesus. Er, der Herr der Kirche, der immer noch gegenwärtig ist in diesem Haus der Kirche. In seinem Wort, im Abendmahl, in unserem Leben, in mir, in dir.

Der lebendige Jesus als Fundament ist das Gegenteil von Fundamentalismus. Fundamentalismus hält sich am Buchstaben fest. Fundamentalismus weiß immer, was richtig und falsch ist, und natürlich steht man selber immer auf der richtigen Seite. Doch Jesus, das ist Geist, Lebendigkeit, Hoffnung und Liebe.

Jesus Christus - das Fundament Ich freue mich über dieses Wort des Paulus. Es ist eine Ermutigung in Zeiten, in denen manche Kirche und Glaube schon als Auslaufmodell sehen. Die Kirche ist Gottes Werk, sein Bau. Er hat seinen Plan. Und solange es Gott will, wird daran weiter gebaut und umgebaut und renoviert. Und wir dürfen gespannt sein, was Gott mit uns vor hat. Die Kirche ist Gotteswerk - das ist das eine, das tröstliche, ermutigende, entlastende.

Das andere: Sie ist Gotteswerk in Menschenhänden. Gott tut sein Werk in der Gemeinde durch Menschen. So unbekümmert ist er, dass er seine Sache fehlbaren Menschen anvertraut. Ein jeder und eine jede sehe zu, wie er oder sie darauf baut, schreibt Paulus. Vom Baumeister bis zum Handlanger sind viele Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen auf Gottes Baustelle. Bauplatz ist für jeden und jede vorhanden. Aufgaben gibt es genug. Niemand kann sich herausreden. Es ist unser gemeinsamer Auftrag mit zu bauen an der Kirche.

Am Ende wird unser Werk wird beurteilt. Eine Ermahnung des Paulus, die unangenehm klingt. Paulus redet vom Gericht. Wir reden da heutzutage in der Kirche nicht mehr oft und nicht mehr gerne davon. Am Ende werden wir von Gott zur Rechenschaft gezogen. Unsere Bauversuche in der Gemeinde werden beurteilt und letztlich unser ganzes Lebenswerk, unser ganzes Lebensgebäude. Ob es im Feuer der Prüfung Gottes bestand hat? Werden wir aus Gold, Silber, Edelsteinen, oder werden wir nur aus Holz, Heu und Stroh gebaut haben? Haben wir nur leeres Gerede gemacht, wo deutliche Worte von Nöten gewesen wären? Waren wir hartherzig, wo es Liebe gebraucht hätte? Haben wir die Sachzwänge und Kirchengesetze über die Liebe gestellt? War unser Glaube vielleicht sogar nur Strohfeuer in einer kritisch fragenden Welt? Haben wir mutig genug bekannt, treu genug gebetet, fröhlich genug geglaubt, brennend genug geliebt?

Unser Bibelwort führt uns vor Augen: dass wir alle von Gottes Barmherzigkeit leben, heißt nicht, dass wir nicht verantwortlich wären, für das, was wir tun. Christus wird kommen, zu richten die Lebenden und die Toten. Ob uns auch klar ist, was wir im Glaubensbekenntnis sagen? Das Gericht Gottes ist die Zeit der Prüfung. Es ist die Zeit der Klarheit. Dann wir sich zeigen, was von unserem Tun und Vollbringen von Substanz ist, und was nicht. Die laschen Werke aus Heu und Stroh werden im Feuer verbrennen. Wir selber freilich nicht. Wohl aufgemerkt: Wir nicht. Christus wird uns retten wie durchs Feuer hindurch, sagt Paulus. Nicht unser Heil steht in Frage, nur unsere Werke. Das wird dann wohl schon ausreichen und wird schmerzlich genug sein, wenn man mit ansehen muss, was man im eigenen Leben so alles in den Sand gesetzt und nicht auf festen Grund gebaut hat.

Einen andern Grund kann niemand legen, als den, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus. Auf diesen Grund lasst uns bauen und getrost und fröhlich weitermachen am Aufbau unserer Gemeinde, am Aufbau seiner Kirche. Zum Lobe und zur Ehre Gottes. Amen.

Der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen



Pfarrer Norbert Heinritz, Wendelstein