
2. Advent 7.12.2008
St. Georg/Arche
Predigttext Lk 21,25-33
Das Kommen des Menschensohns
Gnade sei mit euch und
Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus. Amen.
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Predigttext Lk 21,25-33 25 Es werden Zeichen geschehen an Sonne und Mond und Sternen, und auf Erden wird den Völkern bange sein, und sie werden verzagen vor dem Brausen und Wogen des Meeres, 26 und die Menschen werden vergehen vor Furcht und in Erwartung der Dinge, die kommen sollen über die ganze Erde; denn die Kräfte der Himmel werden ins Wanken kommen. 27 Und alsdann werden sie sehen den Menschensohn kommen in einer Wolke mit großer Kraft und Herrlichkeit. 28 Wenn aber dieses anfängt zu geschehen, dann seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht. Vom Feigenbaum 29 Und er sagte ihnen ein Gleichnis: Seht den Feigenbaum und alle Bäume an: 30 wenn sie jetzt ausschlagen und ihr seht es, so wisst ihr selber, dass jetzt der Sommer nahe ist. 31 So auch ihr: wenn ihr seht, dass dies alles geschieht, so wisst, dass das Reich Gottes nahe ist. Ermahnung zur Wachsamkeit 32 Wahrlich, ich sage
euch: Dieses Geschlecht
wird nicht vergehen, bis es alles geschieht. 33 Himmel und Erde
werden vergehen; aber meine Worte vergehen nicht.
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Liebe Gemeinde,
ein hoffungsvolles und zuversichtliches Bibelwort ist das heute. Es richtet einen auf und macht Mut. Es lässt einen gelassen in die Zukunft blicken.
Vielleicht wundern sie sich, dass ich das sage. Der erste Eindruck dieses Abschnittes aus dem Lukasevangelium ist ja ganz anders. Düster und beängstigend kommt zunächst diese Wort daher. Von Zeichen an Sonne, Mond und Sternen, die den Menschen Angst machen, ist die Rede. Die Kräfte des Himmels geraten ins Wanken geraten. Sturmfluten jagen den Menschen Furcht ein. Die Welt bricht zusammen. Himmel und Erde vergehen. Es klingt nach Klimakatastrophe und Weltuntergang.
Ich habe mich zunächst auch gefragt: Was soll man dazu sagen? Viele Prediger und Predigerinnen fangen damit an, dass dieses Bibelwort so gar nicht der adventliche Stimmung entspricht. Es passt nicht zu Plätzchen und Glühwein. Viele Predigerinnen und Predigerinnen wissen dann auch nicht so recht, was mit dem Katastrophenszenario in unserm Text anzufangen.
Ich aber bleibe dabei: Dieser Text ist ein Hoffnungstext, voller Zuversicht und Ermutigung für diejenigen, die ihn hören, gerade weil er von all diesem spricht. Gewöhnliches und Außergewöhnliches wird da beschrieben. Allgemeines und Besonderes.
Das Gewöhnliche, das Allgemeine sind die Katastrophen. Was für unserer Ohren sich so befremdlich anhört, war für die Menschen vor zweitausend Jahren nichts besonderes. Dass Himmel und Erde bald vergehen werden, glaubten viele Menschen. Die Rede Jesu von all den Katastrophen ist für die Zuhörer nichts Neues. Elend, Leid und Not boten genug Anlass, um das Ende der Welt auch bald zu erwarten. Viele sogenannte Apokalypsen, ganze Bücher, die die Katastrophen des Weltunterganges mit geheimnisvoller Sprache in allen Einzelheiten beschrieben, waren auf den Markt. Im Vergleich dazu sind Jesu Worte eine ziemlich kurze und wenig spannende Zusammenfassung der Zukunftsängste der damaligen Zeit. Nichts außergewöhnliches jedenfalls.
Zukunftsängste und Endzeitphantasien haben zu allen Zeiten die Menschen bewegt. Sie sind bis zum heutigen Tag nichts Außergewöhnliches. Vor einigen Jahren war der Film „The Day after tomorrow“ in unseren Kino. Darin wird im Hollywood-Manier beschrieben, wie durch die Klimakatastrophe New York in den Fluten versinkt. Und ein paar Jahre später hat Al Gore mit einem Dokumentarfilm gezeigt, das die Lage nun wirklich für uns alle ernst ist. Der Mensch kann die Erde zerstören, durch Atomwaffen oder durch den Klimawandel. Endzeit ist nicht nur eine Vision, sie kann sich real ereignen.
Endzeit erlebt auch jeder irgendwann in seinem eigenen Leben - ganz persönlich. Unser Leben ist endlich. Jeder und jede muß sterben. Der Tod ist das am wenigsten Außergewöhnliche im Leben.
Ich will Ihnen keine Angst machen, aber ich meine, es gibt heutzutage wie damals vor 2000 Jahre durchaus Gründe, vor der Zukunft Angst zu haben. Angst ist bedrückend - aber nicht außergewöhnlich. Im Grund ist sie etwas Normales. Sogar schützend, wenn sie einen aufrüttelt, bevor es zu spät ist. Ich will Ihnen nicht Angst machen, ich will nur sagen: unser Bibelwort ist uns ziemlich nahe, nur in den fremden Vorstellungen von damals eben.
Das Außergewöhnliche, das Besondere im unserem Bibelwort ist allerdings das eigentlich Interessante. Es ist das, was Mut macht, was Zuversicht vermittelt. Das Außergewöhnliche ist das Licht in all den dunklen Ängsten. Es ist die Hoffnung mitten durch die Katastrophen hindurch. Das Außergewöhnliche sind die Menschen, die erhobenen Hauptes, aufrecht, mit dem Blick nach oben gerichtet, voller Zuversicht der Zukunft entgegengehen. Ungeheuerlich war damals und ist heute die Adventsbotschaft: Es gibt Hoffnung. Anstelle des schrecklichen Endes kommt Wunderbares auf uns zu. Christus kommt in diese Welt. Seht auf, erhebt eure Häupter, die Erlösung naht.
Bei solchen Bibelworten, wie unserem, muss ich unweigerlich an Menschen denken, die aufrechten Hauptes durch schwere Zeiten gingen. Immer auch an Dietrich Bonhoeffer. Er war während der Nazidiktatur solch ein Mensch, der sich voller Hoffnung dem Grauen der damaligen Zeit entgegenstellte. Mit dem Blick auf Christus ging er seinen Weg bis in den Tod. Die letzten Worte vor seiner Hinrichtung, die man von ihm kennt: "Das ist das Ende - für mich der Beginn des neuen Lebens."
Ich erinnere mich aber auch an eine todkranke Frau, die ich besuchte. „Haben Sie keine Angst vor dem Sterben“, fragte ich ein wenig erstaunt. „Nein“, sagte sie, „ich gehe doch Christus entgegen.“
Ich denke an den einen Schüler in der Klasse. Alle machten sich lustig über den Dicken. Da gab es viel zu lachen auf dessen kosten. Nur einer hatte den Mut, mit erhobenen Haupt den Mund aufzumachen gerade gegen den größten Angeber. Im ruhigen Ton sagte er, wie gemein und unfair sie alle doch seien.
Das Außergewöhnliche sind nicht die Katastrophen, liebe Gemeinde, nicht die Angst, nicht das Böse in der Welt und schon gar nicht der Tod. Das Außergewöhnliche ist die Botschaft, dass es dabei nicht bleibt, sondern durch all das hindurch Christus kommt. Und mit ihm Gottes Liebe. Das Außergewöhnliche sind Menschen, die mitten in der Angst jeden Tag zuversichtlich und hoffnungsvoll der Zukunft entgegengehen. Deshalb meine ich: Ein Hoffnungswort ist das heute, das gut in die Adventszeit passt. Es will uns mit der Zuversicht auf Jesu Kommen anstecken.
Advent ist nicht nur die Einstimmung auf Weihnachten. Advent ist nicht nur die Vorbereitung an die Erinnerung an die Geburt Jesu. Advent ist auch die Vorbereitung auf Kommen Jesu in unser Leben und in unsere Welt.
Zu allen Zeiten haben christliche Gruppen nach Zeichen gesucht, die die endgültige Wiederkehr Christi unverwechselbar anzeigen würden. Auch unser Text hat dabei angeregt. Sich zusammenbrauende Katastrophen wurden Hinweis gedeutet, dass Christi Kommen nun unmittelbar bevorstehe. Manche Gruppe hat sich sogar daran gewagt, die Wiederkunft Christ auf den Tag genau zu berechnen. Wir wissen, sie haben sich alle verrechnet. Niemand weiß den Tag und die Stunde. Das sagte Jesus selbst. Und ob Katastrophen und das Wanken des Weltgefüges sich tatsächlich eignen, die Wiederkunft Christi vorherzusagen? Katastrophen gab es zu allen Zeiten in Hülle und Fülle. Was soll die einen von den anderen unterscheiden?
Ein deutlicheres Zeichen für Jesu Kommen in diese Welt sind mir da schon die Menschen, die im Vertrauen auf Gott aufrecht, gelassen, voller Mut und Zuversicht der Zukunft entgegengehen. Menschen, die lieben, wo Hass um sich greift. Die es schaffen, andere zu ermutigen, die am Verzweifeln sind. Die den Mut haben, die Wahrheit zu sagen auch gegen Trend. Sie sind wie ein Licht in der Finsternis. Je länger ich Pfarrer bin, desto mehr merke ich, wie viele solcher Menschen es gibt. Zeichen der Hoffnung. Zeichen des Kommens Jesu. Im Grunde ist dann Jesu heute schon da. Wo sein Geist der Liebe sich Raum schafft, ist sein Reich schon mitten unter uns.
Noch ein anderes Zeichen nennt unser Bibelwort: Den Feigenbaum. Nach dem Winter treibt er wieder Knospen. Jeder weiß: dann kommt bald der Sommer. Dieses Gleichnis macht noch einmal deutlich, dass Jesus nicht Angst vor dem Weltende, sondern Hoffnung für die Zukunft machen will. Aber warum gerade ein Feigenbaum? Weil er der einzige Baum ist, der in israelitischen Breitengraden im Winter die Blätter verliert und als erstes wieder im Frühjahr Knospen treibt. Seit alters her ein Sinnbild dafür, dass nach dem Unheil das Heil kommt, nach der Krise die neue Chance, nach dem Tod das Leben.
Unser Bibelwort, liebe Gemeinde, ist heute ein hoffungsvolles und zuversichtliches. Es richtet einen auf und macht Mut. Es lässt einen gelassen in die Zukunft blicken. Gerade auch der letzte Vers: Erde und Himmel werden vergehen, aber meine Worte vergehen nicht. Vielleicht erinnern Sie sich: In der Version aus dem Markusevangelium war das die Jahreslosung für das Jahr 2004. Mit anderen Worten heißt dieser Vers: Was auch auf dieser Welt und in meinem Leben alles kommen mag, wenn auch alles vergeht, wenn sogar mein Leben am Ende vergeht, die Worte Jesu bleiben. Seine Verheißung, dass Gott sich immer zu uns hält, überdauert mein Leben, Ihr Leben, alle Zeit. Wenn das kein hoffnungsvolles und zuversichtliches Wort ist.
Der
Friede Gottes, der
höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in
Christus Jesus. Amen
Pfarrer
Norbert Heinritz, Wendelstein