zurück zur PredigtsamlungDreikönigsaltar (1), 6.1.2010, Epiphanias, Wendelstein

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus. Amen.

Altarbild: Anbetung der Hl. 3 KönigeWir feiern also heuer 500 Jahre Dreikönigsaltar. Weihnachten – das ist die Botschaft: Gott schenkt sich uns Menschen. Im Evangelium haben wir gehört: Es wurden dem Kind in der Krippe Geschenke gebracht. Auch ich mache Ihnen heute ein Geschenk. Zur Feier des Tages schenke ich Ihnen einen Kirchenführer, in dem einiges über unseren Altar zu lesen ist.

Lassen Sie uns heute mal das Hauptbild des Altars ansehen, das unserem Altar dem Namen gab. Sie finden es auf der Rückseite des Altarführers.

Als plastische Figuren sehen wir da im Zentrum der Darstellung Maria mit dem Jesuskind auf dem Schoß. Maria mit dem typisch blauen, himmlischen Gewand. Zärtlich wird von ihr das Kind gehalten. Das Jesuskind sieht aus wie ein kleiner Erwachsener, mit wachen Augen. Die Heiligen Drei Könige sind gekommen um das Kind als den neuen König der Welt anzubeten. Sie bringen ihm Geschenke: Gold, Weihrauch, Myrrhe. Zwei deutlich zu sehen, das dritte wohl schon abgegeben.

Wieso redet man eigentlich von den Heiligen Drei Königen? Zunächst stellen wir fest, wenn wir uns an das Evangelium erinnern, dass von Königen gar nicht die Rede ist. Im Bibelwort sind es Magier aus dem Morgenland: Weise, Sterndeuter, die zu dem Kind kommen. Wie viele es waren hört man im Evangelium nicht. In der syrischen Kirche rechnete man mit 12, in ganz alten Darstellungen sind es mal 2 oder auch 4 Weise. Die Dreizahl legt sich freilich nahe aufgrund der drei Geschenke: Gold, Weihrauch, Myrrhe.

Diese Geschenke haben auch ihre Bedeutung. Gold war das angemessene Geschenk für den König der Welt. Myrrhe, ein Heilkraut, weist auf den gekommenen Heiland. Und Weihrauch, welcher im Tempel verwendet wurde, bezeugt Jesus als den gekommenen hohen Priester.

Schon bald bezog man die Erzählung von den Weisen aus dem Morgenland auf Jesaja 60. Da kann man lesen: „Die Heiden werden zu deinem Lichte ziehen und die Könige zum Glanz, der über dir aufgeht.“ So sind aus den weisen Magiern Könige geworden. Zumindest beim Linken auf unserem Altar erkennt man das deutlich: Er trägt eine Königskrone.

Die drei Könige bekamen Namen. Kaspar, Melchior und Baltasar. Und sie repräsentierten die drei im Mittelalter bekannten Erdteile: Europa, Asien und Afrika. Zumindest Afrika ist auf unseren Altar deutlich zu erkennen. Der König rechts oben - es ist Kaspar - hat eine dunkle Hautfarbe. Die anderen beiden lassen sich auf Grund des Aussehens nicht zuordnen. Oft ist der, der zuerst vor dem Kind kniet, der Europäer.

Die drei Könige symbolisieren auch drei Lebensalter. Das ist auf unserem Altar gut zu erkennen. Caspar, der Afrikaner ist der Jüngste, dann links der stehende König mit der Krone vertritt das mittlere Alter und kniend davor ist der Greis zu sehen.

Alle drei jedenfalls beten das Kind an. Und das ist auch die Botschaft. Alle sind gerufen, das Kind anzubeten. Jung und Alt, nahe und ferne, sogar die größten Herrscher aus allen Weltteilen gehen vor dem Jesuskind in die Knie. Jesu ist Herr der ganzen Welt.

Liebe Gemeinde, ich habe mich gefragt: Wer würde da heutzutage knien? Stellen Sie sich unseren Altar übertragen in die heutige Zeit vor. Dann wären da vielleicht Barak Obama, Angela Merkel und Vladimir Putin. Das kann man sich gar nicht so recht vorstellen. Oder wenn da gar Bill Gates, Josef Ackermann und Frau Schaeffler knien würden!

Es wäre allerdings nicht schlecht, wenn die Mächtigen dieser Welt nicht nur Ihren Interessen, nicht nur den Wählern, nicht nur dem Gewinn und dem Machterhalt, sondern sich auch der Botschaft Jesu vom Frieden und von der Gerechtigkeit unter den Menschen verpflichtet fühlen würden. Es wäre nicht schlecht.

Aber sehen wir uns erst einmal selbst in unserem Altarbild. Wie sehr fühlen wir uns dem Jesuskind verpflichtet? Ich weiß, die meisten von Ihnen versuchen die Botschaft Jesu auch im Alltag zu leben. Trotzdem ist es gut, immer wieder daran erinnert zu werden, auf Jesus zu sehen und auf sein Wort zu hören.

Eines haben wir noch gar nicht beachtet auf dem Bild, nämlich den Stern, der über allem schwebt. Er fällt nicht besonders auf. Trotzdem ist er nicht unbedeutend. Einem Stern sind die Weisen aus dem Morgenland gefolgt. Vielleicht war es eine besondere Sternenkonstellation um Jupiter und Saturn, die nach dem damaligen Verständnis auf Palästina hinwies. Dieser Stern jedenfalls ist Ihnen zum Leitstern geworden. Sterne boten zu allen Zeiten in der Nacht Orientierung. Seefahrer und Karawanen haben sich nach ihnen gerichtet. Sie sind nur in der Nacht zu sehen, wenn es dunkel ist.

Die Frage, die uns jeder Weihnachtsstern stellt: Was wird uns zum Leitstern? Woran orientieren wir uns? An Christus? Er ist Morgenstern, der hell strahlt, wenn alle anderen Sterne verblassen.

Manchmal, liebe Gemeinde ist es so, dass man erst in dunklen Zeiten richtig erkennt, welches Licht einen im Leben wirklich weiterführt. So scheint heutzutage viel die Botschaft Jesu zu überstrahlen. Aber wenn es wirklich darauf ankommt, dann kann man eben auf Christus zählen. Wie wertvoll ist es dann, wenn einem die Liebe Gottes im Leben leuchtet.

Der eher unauffällige Stern auf unserem Altar kann uns heute sagen: die Botschaft Jesu von der Liebe Gottes drängt sich einen nicht auf, aber Gottes Liebe leuchtet in schweren Zeiten. Wenn das kein Grund zum Jubeln ist, unabhängig von allen Jubiläen. Möge uns allen auch in diesem Jahr Gottes Liebe als Stern im Leben leuchten.

Der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.



Pfr. Norbert Heinritz, Wendelstein