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Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus. Amen.

Predigttext (Hebr. 13,15+16)



15 So laßt uns nun durch ihn Gott allezeit das Lobopfer darbringen, das ist die Frucht der Lippen, die seinen Namen bekennen.

16 Gutes zu tun und mit andern zu teilen, vergeßt nicht; denn solche Opfer gefallen Gott.

Liebe Gemeinde,

heute ist Erntedankfest. Es ist eines der schönsten Feste im Kirchenjahr. Ich liebe dieses Fest. Ein Fest für alle Sinne. Da gibt’s was zu sehen, schöne Musik zu hören, und manchmal auch was zu riechen.

Der Altar ist festlich geschmückt. Die Erntedankgaben sind da. Die Sonnenblumen lachen einen an. Über die Kürbisse kann man staunen. Und die Kartoffeln habe ich mir sagen lassen, sind heuer besonders groß.

Im Gottesdienst spielt der Posaunenchor. Der Kirchenchor singt. Wir feiern Abendmahl. Und: Die Kirche ist voll.

Ja, Erntedank ist eines der schönsten Feste im Jahr. Aber nicht nur, weil es einfach schön ist. Erntedank liebe ich deshalb so, weil es um etwas für uns Menschen ganz wichtiges und bedeutsames geht. Nämlich um Dankbarkeit. Und so sind sicher viele von Ihnen heute nicht in den Gottesdienst gekommen, nur weil es schön oder weil der Chor singt oder der Posaunenchor spielt, sondern weil wir tief in uns wissen, dass wir alle darauf angewiesen sind, beschenkt zu werden.

Im Kindergarten habe ich in der vergangenen Woche die Kinder gefragt, wofür sie denn alles dankbar sind. Da hieß es dann: Für die Gurken, die Kartoffel, die Äpfel, die Nüsse, … klar, das lag da alles. Ich hab dann gefragt: Wofür seid ihr dank, was man jetzt da nicht sieht: Ein kleine Denkpause und dann: Für Mama, und Papa hieß es dann, und für die Oma und das Fahrrad auch.

Ja, natürlich, da vorne sind die Früchte unserer Ernte heuer. Aber unsichtbar können wir uns ja viel mehr da vorne hindenken. Wofür sind Sie heute dankbar? Was legen Sie jetzt noch unsichtbar mit da vorne hin auf unseren Erntedankaltar? Es gibt so viel zu danken.

Hans Magnus Enzensberger hat das in einem Gedicht geschrieben mit dem Titel: Empfänger unbekannt – Retour à l’expéditeur. Zurück an den Absender.

Vielen Dank für Wolken.
Vielen Dank für das Wohltemperierte Klavier
und, warum nicht, für die warmen Winterstiefel.
Vielen Dank für mein sonderbares Gehirn
und für allerhand andere verborgene Organe,
für die Luft, und natürlich für den Bordeaux.
Herzlichen Dank dafür, dass mir das Feuerzeug nicht ausgeht,
und die Begierde, und das Bedauern, das inständige Bedauern.


Vielen Dank für die vier Jahreszeiten,
für die Zahl Pi und für das Koffein,
und natürlich für die Erdbeeren auf dem Teller,
gemalt von Chardin, sowie für den Schlaf,
für den Schlaf ganz besonders,
und, damit ich es nicht vergesse,
für den Anfang und das Ende
und die paar Minuten dazwischen
inständigen Dank,
meinetwegen für die Wühlmäuse draußen im Garten auch.

Empfänger unbekannt, nennt Hans Magnus Enzensberger sein Gedicht. Wir kennen den Empfänger des Dankes: Gott ist es, der uns das alles schenkt. Gott ist es, der wachsen lässt. Er gibt uns die Kraft, die Ernte einzufahren. Er schenkt uns das Leben. Er schenkt uns einander. Er schenkt die Liebe, die Hoffnung, den Glauben. Er schenkt uns die Freude an dem was wir haben und Halt in schweren Zeit. Er schenkt uns Jesus und mit ihn die Rettung vor unserem Untergang. Da Kreuz gehört mit zum Erntedankaltar. Und all das andere unsichtbar auch.

Im Grund verdanken wir alles Gott. So gesehen ist jeder Tag ein Dankfest und Dankbarkeit nicht nur etwas, für den ersten Sonntag im Oktober. Dankbarkeit ist nicht etwas, was auch dazu gehört, sondern ein Grundhaltung im Leben. (Pause)

Liebe Gemeinde, alles was uns innerlich bewegt, braucht in irgendeiner Form auch einen äußeren Ausdruck. Sonst verschwindet es irgendwie im Untergrund oder es verkapselt sich oder wir verlieren es einfach. Mit der Liebe ist das zum Beispiel so. Wenn man jemanden liebt, dann muss das auch irgendwo gelebt und gezeigt werden. „Ich liebe dich!“ – Rote Rosen zum Hochzeittag – Liebe muss man ausdrücken, dass sie am Leben bleibt. Oder die Trauer. Wenn man traurig ist, ist es gut das auch ausdrücken zu können, mit Tränen vielleicht, mit einem Brief, mit einem Gebet. Damit unsere Seele wieder atmen kann.

Mit der Dankbarkeit ist es genauso. Sie braucht einen Ausdruck. Weil sie sonst in uns verkümmert. Das fängt mit diesem kleinen Wort „Danke“ an. Als Kinder lernt man das, schön „Danke“ zu sagen. Man mag darin antrainierte Höflichkeit sehen. Aber es macht sehr wohl einen Unterschied aus, ob ein Mensch in seinem Leben gelernt hat „Danke“ zu sagen oder nicht. Und diese kleine Wort kann ganz groß werden. Ich habe es schon oft erlebt, dass Menschen meine Hand festgehalten haben und tief aus ihrer Seele Danke gesagt haben.

Dankbarkeit braucht einen Ausdruck. Sie kennen die Dankeskarten, die kleinen Geschenke, auf denen groß Danke steht, den geschriebenen Brief oder den festen Händedruck.

Das weiß auch unser Bibelwort von heute. Gott zu danken braucht einen Ausdruck. So laßt uns nun durch ihn - durch Christus - Gott allezeit das Lobopfer darbringen, das ist die Frucht der Lippen, die seinen Namen bekennen. Gemeint ist unser Singen und unser Beten. Die Lobgesänge, die heute im Gottesdienst erklingen, das Dankgebet am Mittagsessenstisch, der Dank am Abend für den Tag und am Morgen für die Nacht, der Dank, der uns dazwischen drin ganz still innerlich bewegt und der auch im Lieder froh und laut erschallen darf. Gott zu danken braucht seinen Ausdruck und das nicht nur am Erntedankfest. Zu meinen Konfirmanden sage ich immer: Schaut mal, was Gott uns alles schenkt. Da kann man ruhig Sonntagmorgens eine Stunde in die Kirchen kommen und Gott Danke sagen.

Wer anfängt, Gott zu danken und zu loben, so jemand bleibt auf die Dauer nicht der oder die gleiche. So jemand wird verwandelt. Denn Dankbarkeit kann eine mit der Zeit erfüllen, wie ein Halle mit Licht. Daraus wächst Zufriedenheit und Glück – sogar in schweren Zeiten.

Dankbarkeit braucht seinen Ausdruck. Gutes zu tun und mit andern zu teilen, vergeßt nicht; denn solche Opfer gefallen Gott. Ja, auch das vergesst das nicht. Einfach auch etwas weiterzugeben von all dem, was man geschenkt bekommt. Das ist keine Frage des Reichtums, sondern der inneren Einstellung.

Erstaunt war ich zum Beispiel über Bill Gates, den Gründer von Microsoft, mittlerweile glaube ich der reichste Mensch Amerikas. Als er sich ankündigte sich aus seinem Unternehmen zurückzuziehen und sich um karitative Tätigkeiten zu kümmern, sagt er: „Ich glaube, dass mit dem Geschenk des Wohlstands eine große Verantwortung kommt.“ Und seine Frau ergänzte: „Wem, wie uns beiden, viel gegeben wurde, der soll auch viel zurückgeben.“ Wenn nur mehr so denken würden.

Gutes zu tun und mit anderen zu teilen, vergesst nicht. Auch das gehört zum Erntedankfest, wie die schön geschmückte Kirche, die Lieder und der Dank. Wer sieht und erkennt, was ihm oder ihr von Gott alles geschenkt wird, so jemand kann auch weitergeben. Nicht nur die Dinge, die wir so haben, sondern auch ein gutes Wort, ein freundlicher Blick, ein spontaner Besuch, die Freude, die Hoffnung, den Glauben, die Liebe. All das kann man teilen. Aus Dankbarkeit. Amen.





Der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.



Pfarrer Norbert Heinritz, Wendelstein