zurück zur Predigtsammlung

 Anfrage:        Die Fastenpredigt
                     (Jesaja 58, 1-9a)

                              Narrenkappe

Im Blättchen wurd' es bekannt gemacht
Pfarrer Heinritz predigt zur Fasenacht.
Das rief meine Fantasie hervor:
Er steht in der Bütt mit dem Schelm hinterm Ohr.

 Mit Narrenkappe und bunten Bändern
(Den Ritus des Gottesdiensts kann man ja ändern)
Und dann, so dacht' ich, wär' es ganz schlau
Am Ende zu sagen statt Amen "Helau".

Doch nichts davon, aber mit sehr viel Geschick
Griff er zu einem ganz anderen Trick:
Er reimte die Reden und trug sie dann vor
Ungewohnt war das für manches Ohr.

Am Altar das Gebet, es war ein Gedicht !
Und spiegelte sich in so manchem Gesicht
Der Höhepunkt aber die Predigt war:
Er reimte auch sie - es war wunderbar.

Wenn ich daran denke, hab’ ich ein Problem
Ich möchte die Predigt ja nochmals erleb'n
Jedoch mir fällt dazu sehr wenig ein
Von der Fastenpredigt in Wendelstein.

Um Jesaja gings wohl, dem großen Propheten
Jedoch der Predigtsinn ging meistens flöten.
Es ging ums Verzichten im Jahreskreis
Das sollen die andern, soviel ich noch weiß.

Darum, lieber Dichter, ich bitte gar schön,
Ich möcht' alle Verse als eMail sehn.
Im Internet steh'n sie dann jedem bereit.
Ich dank schön und wünsch eine gute Zeit.

 Am vierten Februar zweitausendacht
Hat unser Pfarrer die Predigt gemacht
Wir grüßen ihn herzlich und auch seine Frau
"Schee hat er 'predigt!"  Ade und  Helau.

"Johnny" Gebhardt

Antwort:

Lieber Herr Gehardt, das finde ich schön,
sie wollen also meine Predigt sehn,
nicht nur hören den manchmal holprigen Reim,
sondern studieren, verstehen, und lesen daheim.
Gern sende ich Ihnen das ganze nun zu.
Lesen Sie einfach mal ganz in Ruh.
Sie werden sehen, so geistreich ist das alles nicht.
Es ist halt vor allem ein Faschingsgedicht.

Den meisten Besuchern hat's freilich gefallen.
dass ich den Reim habe in der Kirche lassen hallen.
Stellen Sie ins Internet ruhig das ganze,
so hat man die Predigt zu finden die Chance.
Ich wünsche Ihnen nun noch einen schönen Faschingstag,
mit viel Freude und ohne Klag.

Herzliche Grüße - auch an Ihrer Frau
Ihr
Norbert Heinritz


Faschingspredigt   Jes 58,1-9a, 3.2.08, Estomihi, Wendelstein

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus. Amen.

Predigttext:
Rufe getrost, halte nicht an dich! Erhebe deine Stimme wie eine Posaune und verkündige
meinem Volk seine Abtrünnigkeit und dem Hause Jakob seine Sünden!
Sie suchen mich täglich und begehren, meine Wege zu wissen, als wären sie ein Volk, das die
Gerechtigkeit schon getan und das Recht seines Gottes nicht verlassen hätte. Sie fordern von mir
Recht, sie begehren, daß Gott sich nahe.  »Warum fasten wir, und du siehst es nicht an? Warum
kasteien wir unseren Leib, und du willst's nicht wissen?« - Siehe, an dem Tag, da ihr fastet, geht
ihr doch euren Geschäften nach und bedrückt alle eure Arbeiter.
Siehe, wenn ihr fastet, hadert und zankt ihr und schlagt mit gottloser Faust drein. Ihr sollt nicht
so fasten, wie ihr jetzt tut, wenn eure Stimme in der Höhe gehört werden soll.Soll das ein Fasten
sein, an dem ich Gefallen habe, ein Tag, an dem man sich kasteit, wenn ein Mensch seinen Kopf
hängen läßt wie Schilf und in Sack und Asche sich bettet? Wollt ihr das ein Fasten nennen und
einen Tag, an dem der HERR Wohlgefallen hat?
Das aber ist ein Fasten, an dem ich Gefallen habe: Laß los, die du mit Unrecht gebunden hast,
laß ledig, auf die du das Joch gelegt hast! Gib frei, die du bedrückst, reiß jedes Joch weg!
Brich dem Hungrigen dein Brot, und die im Elend ohne Obdach sind, führe ins Haus! Wenn du
einen nackt siehst, so kleide ihn, und entzieh dich nicht deinem Fleisch und Blut!
Dann wird dein Licht hervorbrechen wie die Morgenröte, und deine Heilung wird schnell
voranschreiten, und deine Gerechtigkeit wird vor dir hergehen, und die Herrlichkeit des HERRN
wird deinen Zug beschließen. Dann wirst du rufen, und der HERR wird dir antworten.


Liebe Gemeinde, liebe Leut,

Ums rechtes Fasten geht es heut.
Zwar ist noch Fasching und der macht Spaß,
noch erhebt man bei mancher Prunksitzung das Glas,

Noch wird gefeiert und gelacht,
doch am Aschermittwoch wird damit Schluss gemacht.
Die Fastenzeit, sie fängt dann an,
in der man sich besinnen kann,

was wir im Leben wohl nicht brauchen,
sei’s das Fernsehen, das Trinken oder das Rauchen.
Fürs letztere freilich, das ist klar,
ist Fastenzeit nun das ganze Jahr.

Nicht nur im März, wenn’s nicht mehr schneit,
nein auch Oktober, wenn man sich auf der Wiesn freut.
Nun, mir sei’s recht, ich rauch ja nicht.
Für mich fällt das nicht ins Gewicht.

Als man dem Papst einmal den Vorschlag machte,
die Fastenzeit auf vier mal im Jahr zu verteilen dachte.
da sagte er: Nein, ich kenn doch die Menschen wie Sie.
Sie feiern dann vier mal Fasching und fasten nie.

Ja, auch im Sonntagsblatt steht geschrieben,
dass nur sehr wenige das Fasten lieben.
83 Prozent der Deutschen ist das Fasten gleich,
sie tun dafür nicht einen Streich.

Und die anderen, was ist mit denen?
Einige werden an der Aktion teilnehmen,
die „7 Wochen ohne“ wird genannt.
Ist euch diese auch bekannt?

Vor 25 Jahren rief man sie ins Leben
Um der Fastenzeit mehr Sinn zu geben.
Am Anfang waren es grad 300 Leut.
Einige tausend sind es heut.

Sie nehmen sich vor, auf etwas zu verzichten,
und so ihr Leben anders auszurichten.
Wir daheim, wir verzichten auf die Glotze,
das gibt bei den Kindern zwar etwas Gemotze,
doch ehrlich gesagt, ist es ein großer Gewinn,
denn je mehr Programme, desto mehr Unsinn.

Und ihr, wie haltet ihr’s mit der Fastenzeit?
Seid ihr auch zum Verzicht bereit?
Habt ihr euch etwas vorgenommen?
Doch zumindest zu den Passionsgottesdiensten zu kommen.

Wenn man die Leute fragt, worauf sie verzichten können,
da kann im Grunde ein jeder was nennen.
Die Kinder bei mir im Religionsunterricht,
die übten zuerst bei der Schule Verzicht.

Den Lehrern fiel natürlich auch etwas ein,
die ließen am liebsten die Schultage sein.
Der Handwerker verzichtete gerne auf die Konkurrenz,
Manche Hausfrau daheim auf ihren faulen Lenz.

Der Chef sparte gern die Kosten der Mitarbeiter,
der kleine Angestellte gern manchen Abteilungsleiter.
Die Politiker würden auf Wahlen verzichten,
da muss man sich ja nach dem Wähler richten.

Das Volk wär gern manchen Politiker los,
doch auf wen schimpft man dann bloß?
Die Gangster verzichteten gerne auf die Polizei,
Und beim Einsparen den Steuern wären wohl alle dabei.

Ja, diese Arten von Verzicht,
die störten einen nun wirklich nicht,
weil man ja immer beim andern anfängt,
und beim Verzicht vor allem an die anderen denkt.

Zu tun hat das freilich nichts mit Fasten,
ein großer Verzicht zu anderer Lasten.
Das kreidet der Prophet auch in unserem Bibelwort an,
den Israeliten, Frau und Mann.

So haben wir es vorhin gehört,
wie sich der Prophet beim Volk beschwert.
Er sprach das aus, was keiner hören wollte,
er sagte, was er von Gott her sagen sollte.

er sagte es den Israeliten mitten ins Gesicht,
ihre Art des Lebens mag der Herr im Himmel nicht.
Die Fastenriten, ja, die hielten sie zwar ein,
aber die Gerechtigkeit im Land ließen sie sein.

Sie bildeten sich ein, sie wären die Frommen,
und würden dann auch in den Himmel kommen.
Wenn sie die Bräuche und Traditionen achten,
und dabei nur keine Fehler machten.

Viel Fasten, viel Beten, viel Religion.
Sie meinten das alles reiche schon.
Der Prophet sagt freilich: Nein!
Es muss schon auch das richtige Handeln sein.

Sich sorgen um die Gerechtigkeit,
hören, wenn der Arme schreit.
Die Nöte der anderen mit offenen Augen sehen,
und nicht achtlos an ihnen vorübergehen.

Mit dem Hungrigen teilen das Brot,
den Elenden helfen, die in der Not.
Wie ist das mit uns? Tun wir das Rechte auch?
Oder halten wir uns nur äußerlich an den christlichen Brauch.

Wir gehn in die Kirche, beten und singen,
Ob wir uns auch zur Versöhnung, zur Liebe, zur Hilfe durchringen?
Krank, sagt der Prophet, ist ein Land,
in dem sozialer Ausgleich unbekannt.

Was würde der Prophet da wohl sagen,
wenn er uns sieht in unseren Tagen?
Ich befürchte, die Diagnose wäre schlecht,
denn manches bei uns ist ungerecht.

Die Reichen werden reicher, die Armen ärmer,
Das macht es unter uns nicht gerade wärmer.
Ich weiß - freilich, hier in Wendelstein,
sind viele, die setzen sich füreinander wirklich ein.

Das ist gut so. Denn das bringt Wärme und Licht
und gibt unserem Ort ein menschliches Gesicht.
Und ich tu euch ja hier kein Geheimnis verraten,
Wenn es noch mehr werden, ist es gewiss kein Schaden.

Doch kommen wir wieder zum Fasten zurück.
Hilft uns Verzicht wirklich zum Glück?
Eines hat uns Martin Luther jedenfalls deutlich gemacht.
Fasten hat noch niemand in den Himmel gebracht.

Schlecht ist es aber nicht, wenn man mal auf was verzichtet,
und so sein Leben ein Stück weit neu ausrichtet.
Wenn Gott nämlich rein soll in unser Leben,
dann müssen wir ihm dazu auch genügend Platz und Zeit geben.

So vieles nimmt uns doch jeden Tag,
mit viel Zeit und Kraft in Beschlag.
Der Computer kann es sein, mit seinen Macken,
oder der Garten, den wir liebend gern hacken.

Dem Fernseher schenken wir viel zu viel Zeit,
oder wir suchen tagelang nach dem schönsten Kleid.
Wir können Putzen und Fegen ganz ohne Ende,
oder wir lassen vom Auto nur selten die Hände.

So viele Nebensachen nehmen wir furchtbar wichtig,
derweil ist manches ziemlich nichtig.
Da manches sein lassen, ist gar nicht schimm,
das schenkt uns Zeit und ist Gewinn.

Mal wieder mehr an andere Menschen denken,
und unseren Sinn auf Gott hinlenken.
Wenn das der Erfolg ist der Fastenzeit,
dann liebe Leute, fastet gscheit.

Und damit ich es nicht mache wie der Pfarrer, der sagt:
„Liebe deinen Nächsten“ und dann die Gemeinde plagt,
mit viel zu langen Predigten. In Gottes Namen
Mach ich jetzt Schluss und sage: Amen.

Der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus.
Amen.

Pfarrer Norbert Heinritz, St. Georg Wendelstein