Liebe Gemeinde!
Wenn ich diese
Geschichte höre, komme
ich mir vor wie auf einem orientalischen Markt, wo um alles und jedes
gefeilscht wird.
Umso
erstaunlicher ist, dass es sich hier um ein Gespräch mit
Gott handelt. Das Thema, um das es geht, ist sehr ernst. Gott will eine
ganze Stadt vernichten und Abraham fleht um Gnade und Vergebung.
Gott
eröffnet das Gespräch mit den
Worten: „Es ist ein großes Geschrei über Sodom und Gomorra,
dass ihre
Sünden sehr schwer sind.“ Aus dem Zusammenhang wird deutlich, dass
in
der Stadt Chaos herrscht: Sexuelle Übergriffe und Raubmord sind an
der
Tagesordnung, gottloses Treiben, wo man hinschaut.
Also weit
schlimmer, als alle Situationen, in denen meine Mutter früher auf
Grund
unseres Geschreis ins Kinderzimmer schaute und ausrief: „Bei euch
geht’s
ja zu wie in Sodom und Gomorra.“
Alles Böse,
was Menschen einander antun können, war in Sodom und
Gomorra an der Tagesordnung und Gott war drauf und dran, radikal
einzugreifen.
Er weiht Abraham
in
sein Vorhaben ein. Das finde ich bemerkenswert. Er hätte genau so
gut
ohne Vorwarnung und souverän handeln können. Aber er weiht
Abraham ein
und gibt ihm so die Möglichkeit, Verantwortung zu übernehmen.
Sodom war
für Abraham nicht irgendeine Stadt, es war die Stadt, in der sein
Neffe
Lot mit seiner Familie lebte.
Nun wäre es
ja nahe liegend gewesen, dass Abraham Gott bittet,
seine gottesfürchtigen Verwandten zu verschonen bzw. zu retten,
bevor
die Stadt vernichtet wird. So nach dem Motto: Hauptsache Lot wird
gerettet, der Rest ist mir wurscht.
Doch Abraham
überlässt die Stadt nicht ihrem scheinbar unabwendbaren
Schicksal, er
schaut nicht schulterzuckend zu, wie das Unglück seinen Lauf nimmt.
Abraham ergreift
die Initiative, er
übernimmt Verantwortung. Dazu gründet er keine
Bürgerinitiative, er
fängt auch nicht an, den Gottlosen zu predigen, sondern:“ Abraham
blieb
stehen vor dem Herrn.“ An höchster Stelle setzt er sich für
die Menschen
von Sodom ein.
Er ringt mit
Gott, er kämpft mit Gott, er feilscht mit Gott.
Dabei geht es ihm nicht nur um Lot, es geht ihm um alle Menschen in
Sodom. Er will sie gerettet sehen und er setzt alles ein, um Gott
umzustimmen.
Er denkt sich
nicht, die haben`s ja nicht anders verdient. Er hegt keinerlei
Rachegedanken. Er kämpft um Gottes Gnade für alle.
Abraham ist
überzeugt: Bestimmt leben in der Stadt außer meinen
Verwandten noch ein
paar weitere gottesfürchtige Menschen. Er erinnert Gott an seinen
Gerechtigkeitssinn. „Willst du den Gerechten mit dem Gottlosen
umbringen? Sollte der Richter aller Welt nicht gerecht richten? Es
könnten vielleicht 50 Gerechte in der Stadt sein. Bitte vergib
doch dem
Ort um der Gerechten willen.“
Und: Kaum zu
glauben, aber wahr: Gott lässt mit sich reden. Und das nicht nur
ein
mal. Immer wieder ergreift Abraham das Wort und handelt Gott bis auf 10
Gerechte herunter. Gott sagt ihm zu: Wenn ich in Sodom auch nur zehn
Menschen finde, die an mich glauben, werde ich um der Zehn willen die
ganze Stadt verschonen.
Ich finde das
ungemein tröstlich. Wenn hier auch nur 10 Menschen Gottesdienst
feiern,
Gott die Ehre geben und zu ihm beten, so hat das eine unglaublich
segensreiche Auswirkung auf ganz Wendelstein. Ja, liebe Gemeinde, es
ist
nicht egal, ob und wie wir unseren Glauben leben. Es geht bei unserer
Frömmigkeit nicht nur um unser persönliches Heil. Unser
Stehen vor Gott,
unser Gebet hat weit reichende Folgen. Es bewirkt viel mehr, als wir
ahnen.
Unser Gebet kann
die Welt verändern, denn Gott lässt mit sich reden.
Von mir kann ich
sagen: Wenn es um einen kranken Menschen geht, gar um einen jungen
Menschen, der am Rande des Todes steht, dann ringe und kämpfe ich
mit
Gott im Gebet mit ähnlicher Hartnäckigkeit wie Abraham.
Aber wie sieht
es aus, wenn es um
Gottes Vergebung für Menschen geht, die uns oder anderen übel
mitgespielt haben? Ist es uns ein Anliegen, dass Gott ihnen vergibt?
Im ersten Fall
geht es um die
Verlängerung des irdischen Lebens, im zweiten Fall aber um das
ewige
Leben, um die grundlegende Beziehung des Menschen zu Gott!
Wie wichtig
wäre
es, für unseren Ort, für unser Land, für diese ganze
Welt immer wieder
im Gebet einzustehen. Wir sollten Gott immer wieder in den Ohren liegen
für die vielen Menschen, die nichts von ihm wissen wollen und
irregeleitet sind.
Gerade jetzt,
angesichts der weltweiten Finanzkrise, sollten wir
uns darauf besinnen, dass es Dinge gibt, die nicht mit Geld zu kaufen
sind, nämlich Gemeinschaft mit Gott, Vergebung von Schuld und
ewiges
Leben. Diese Dinge gibt es nur geschenkt. Nicht umsonst schreibt der
Apostel: Ihr habt nicht, weil ihr nicht bittet. Beten wir um Gnade
für
uns und die ganze Menschheit, dass wir nicht dem Mammon verfallen.
Gott will vergeben, er will retten!
In Sodom fanden
sich keine 10
Gerechten. Darum konnte Gott die Stadt nicht verschonen. Aber Lot und
seiner Familie hat er die Flucht ermöglicht.
Abrahams
Feilschen stieß an eine Grenze. Bei der Option von 10
Gerechten hat Gott das Gespräch mit Abraham beendet.
Aber
innertrinitarisch ging das Gespräch noch ein paar tausend Jahre
weiter.
Gott Vater, Sohn und Hl. Geist haben weiter um die Frage gerungen: Wie
können wir den gottlosen und schuldig gewordenen Menschen vergeben
und
sie begnadigen?
In diesem Ringen
hat Gott seine Forderung von 10 auf einen Gerechten
heruntergeschraubt.
Diesen einen
Gerechten hat er selbst in die Welt gesandt: Jesus
Christus. Er ist der EINE, der für alle einsteht. Er ist das
Gegengewicht für alle menschliche Gottlosigkeit und Schuld.
Durch sein
Leiden und Sterben hat er
uns mit Gott versöhnt. Was Gottes Strafgericht über die
Sünde bedeutet,
sehen wir am Gekreuzigten. Er starb, damit wir verschont bleiben. Einer
für alle. Gott hat den einzigen wirklich Gerechten nicht
verschont, um
dadurch alle zu retten. Das ist das Evangelium, die frohe Botschaft von
der wir leben.
Nicht jedes
hartnäckige Gebet erhört Gott in unserem Sinne. Aber beim
Thema
Vergebung werden wir nie mehr auf Granit stoßen: Gottes
Barmherzigkeit
in Jesus Christus ist viel größer alle menschliche Schuld.
Wer hier für
sich selbst oder für andere anklopft, dem wird die Tür
aufgetan. Ja mehr
noch: Der Vater sieht uns schon von weitem und kommt uns mit offenen
Armen entgegengelaufen, um uns an sein Herz zu drücken. Und er
wird zu
uns sagen: Es ist alles gut, um Jesu willen vergebe ich dir.
Amen.