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Predigt 1.Mose 18,20-33 Arche 19.10.08

Abrahams Fürbitte für Sodom
20 Und der HERR sprach: Es ist ein großes Geschrei über Sodom und Gomorra, dass ihre Sünden sehr schwer sind. 21 Darum will ich hinabfahren und sehen, ob sie alles getan haben nach dem Geschrei, das vor mich gekommen ist, oder ob's nicht so sei, damit ich's wisse. 22 Und die Männer wandten ihr Angesicht und gingen nach Sodom. Aber Abraham blieb stehen vor dem HERRN 23 und trat zu ihm und sprach: Willst du denn den Gerechten mit dem Gottlosen umbringen? 24 Es könnten vielleicht fünfzig Gerechte in der Stadt sein; wolltest du die umbringen und dem Ort nicht vergeben um fünfzig Gerechter willen, die darin wären? 25 Das sei ferne von dir, dass du das tust und tötest den Gerechten mit dem Gottlosen, sodass der Gerechte wäre gleich wie der Gottlose! Das sei ferne von dir! Sollte der Richter aller Welt nicht gerecht richten? 26 Der HERR sprach: Finde ich fünfzig Gerechte zu Sodom in der Stadt, so will ich um ihretwillen dem ganzen Ort vergeben. 27 Abraham antwortete und sprach: Ach siehe, ich habe mich unterwunden, zu reden mit dem Herrn, wiewohl ich Erde und Asche bin. 28 Es könnten vielleicht fünf weniger als fünfzig Gerechte darin sein; wolltest du denn die ganze Stadt verderben um der fünf willen? Er sprach: Finde ich darin fünfundvierzig, so will ich sie nicht verderben. 29 Und er fuhr fort mit ihm zu reden und sprach: Man könnte vielleicht vierzig darin finden. Er aber sprach: Ich will ihnen nichts tun um der vierzig willen. 30 Abraham sprach: Zürne nicht, Herr, dass ich noch mehr rede. Man könnte vielleicht dreißig darin finden. Er aber sprach: Finde ich dreißig darin, so will ich ihnen nichts tun. 31 Und er sprach: Ach siehe, ich habe mich unterwunden, mit dem Herrn zu reden. Man könnte vielleicht zwanzig darin finden. Er antwortete: Ich will sie nicht verderben um der zwanzig willen. 32 Und er sprach: Ach, zürne nicht, Herr, dass ich nur noch einmal rede. Man könnte vielleicht zehn darin finden. Er aber sprach: Ich will sie nicht verderben um der zehn willen. 33 Und der HERR ging weg, nachdem er aufgehört hatte, mit Abraham zu reden; und Abraham kehrte wieder um an seinen Ort.

 

Liebe Gemeinde!

Wenn ich diese Geschichte höre, komme ich mir vor wie auf einem orientalischen Markt, wo um alles und jedes gefeilscht wird.

Umso erstaunlicher ist, dass es sich hier um ein Gespräch mit Gott handelt. Das Thema, um das es geht, ist sehr ernst. Gott will eine ganze Stadt vernichten und Abraham fleht um Gnade und Vergebung.

Gott eröffnet das Gespräch mit den Worten: „Es ist ein großes Geschrei über Sodom und Gomorra, dass ihre Sünden sehr schwer sind.“ Aus dem Zusammenhang wird deutlich, dass in der Stadt Chaos herrscht: Sexuelle Übergriffe und Raubmord sind an der Tagesordnung, gottloses Treiben, wo man hinschaut.

 

Also weit schlimmer, als alle Situationen, in denen meine Mutter früher auf Grund unseres Geschreis ins Kinderzimmer schaute und ausrief: „Bei euch geht’s ja zu wie in Sodom und Gomorra.“

Alles Böse, was Menschen einander antun können, war in Sodom und Gomorra an der Tagesordnung und Gott war drauf und dran, radikal einzugreifen.

 

Er weiht Abraham in sein Vorhaben ein. Das finde ich bemerkenswert. Er hätte genau so gut ohne Vorwarnung und souverän handeln können. Aber er weiht Abraham ein und gibt ihm so die Möglichkeit, Verantwortung zu übernehmen. Sodom war für Abraham nicht irgendeine Stadt, es war die Stadt, in der sein Neffe Lot mit seiner Familie lebte.

Nun wäre es ja nahe liegend gewesen, dass Abraham Gott bittet, seine gottesfürchtigen Verwandten zu verschonen bzw. zu retten, bevor die Stadt vernichtet wird. So nach dem Motto: Hauptsache Lot wird gerettet, der Rest ist mir wurscht.

 

Doch Abraham überlässt die Stadt nicht ihrem scheinbar unabwendbaren Schicksal, er schaut nicht schulterzuckend zu, wie das Unglück seinen Lauf nimmt.

Abraham ergreift die Initiative, er übernimmt Verantwortung. Dazu gründet er keine Bürgerinitiative, er fängt auch nicht an, den Gottlosen zu predigen, sondern:“ Abraham blieb stehen vor dem Herrn.“ An höchster Stelle setzt er sich für die Menschen von Sodom ein.

Er ringt mit Gott, er kämpft mit Gott, er feilscht mit Gott. Dabei geht es ihm nicht nur um Lot, es geht ihm um alle Menschen in Sodom. Er will sie gerettet sehen und er setzt alles ein, um Gott umzustimmen.

Er denkt sich nicht, die haben`s ja nicht anders verdient. Er hegt keinerlei Rachegedanken. Er kämpft um Gottes Gnade für alle.

 

Abraham ist überzeugt: Bestimmt leben in der Stadt außer meinen Verwandten noch ein paar weitere gottesfürchtige Menschen. Er erinnert Gott an seinen Gerechtigkeitssinn. „Willst du den Gerechten mit dem Gottlosen umbringen? Sollte der Richter aller Welt nicht gerecht richten? Es könnten vielleicht 50 Gerechte in der Stadt sein. Bitte vergib doch dem Ort um der Gerechten willen.“

 

Und: Kaum zu glauben, aber wahr: Gott lässt mit sich reden. Und das nicht nur ein mal. Immer wieder ergreift Abraham das Wort und handelt Gott bis auf 10 Gerechte herunter. Gott sagt ihm zu: Wenn ich in Sodom auch nur zehn Menschen finde, die an mich glauben, werde ich um der Zehn willen die ganze Stadt verschonen.

 

Ich finde das ungemein tröstlich. Wenn hier auch nur 10 Menschen Gottesdienst feiern, Gott die Ehre geben und zu ihm beten, so hat das eine unglaublich segensreiche Auswirkung auf ganz Wendelstein. Ja, liebe Gemeinde, es ist nicht egal, ob und wie wir unseren Glauben leben. Es geht bei unserer Frömmigkeit nicht nur um unser persönliches Heil. Unser Stehen vor Gott, unser Gebet hat weit reichende Folgen. Es bewirkt viel mehr, als wir ahnen.

Unser Gebet kann die Welt verändern, denn Gott lässt mit sich reden.

 

Von mir kann ich sagen: Wenn es um einen kranken Menschen geht, gar um einen jungen Menschen, der am Rande des Todes steht, dann ringe und kämpfe ich mit Gott im Gebet mit ähnlicher Hartnäckigkeit wie Abraham.

Aber wie sieht es aus, wenn es um Gottes Vergebung für Menschen geht, die uns oder anderen übel mitgespielt haben? Ist es uns ein Anliegen, dass Gott ihnen vergibt?

Im ersten Fall geht es um die Verlängerung des irdischen Lebens, im zweiten Fall aber um das ewige Leben, um die grundlegende Beziehung des Menschen zu Gott!

 

Wie wichtig wäre es, für unseren Ort, für unser Land, für diese ganze Welt immer wieder im Gebet einzustehen. Wir sollten Gott immer wieder in den Ohren liegen für die vielen Menschen, die nichts von ihm wissen wollen und irregeleitet sind.

Gerade jetzt, angesichts der weltweiten Finanzkrise, sollten wir uns darauf besinnen, dass es Dinge gibt, die nicht mit Geld zu kaufen sind, nämlich Gemeinschaft mit Gott, Vergebung von Schuld und ewiges Leben. Diese Dinge gibt es nur geschenkt. Nicht umsonst schreibt der Apostel: Ihr habt nicht, weil ihr nicht bittet. Beten wir um Gnade für uns und die ganze Menschheit, dass wir nicht dem Mammon verfallen.

 

Gott  will vergeben, er will retten!

In Sodom fanden sich keine 10 Gerechten. Darum konnte Gott die Stadt nicht verschonen. Aber Lot und seiner Familie hat er die Flucht ermöglicht.

Abrahams Feilschen stieß an eine Grenze. Bei der Option von 10 Gerechten hat Gott das Gespräch mit Abraham beendet.

 

Aber innertrinitarisch ging das Gespräch noch ein paar tausend Jahre weiter. Gott Vater, Sohn und Hl. Geist haben weiter um die Frage gerungen: Wie können wir den gottlosen und schuldig gewordenen Menschen vergeben und sie begnadigen?

In diesem Ringen hat Gott seine Forderung von 10 auf einen Gerechten heruntergeschraubt.

Diesen einen Gerechten hat er selbst in die Welt gesandt: Jesus Christus. Er ist der EINE, der für alle einsteht. Er ist das Gegengewicht für alle menschliche Gottlosigkeit und Schuld.

Durch sein Leiden und Sterben hat er uns mit Gott versöhnt. Was Gottes Strafgericht über die Sünde bedeutet, sehen wir am Gekreuzigten. Er starb, damit wir verschont bleiben. Einer für alle. Gott hat den einzigen wirklich Gerechten nicht verschont, um dadurch alle zu retten. Das ist das Evangelium, die frohe Botschaft von der wir leben.

 

Nicht jedes hartnäckige Gebet erhört Gott in unserem Sinne. Aber beim Thema Vergebung werden wir nie mehr auf Granit stoßen: Gottes Barmherzigkeit in Jesus Christus ist viel größer alle menschliche Schuld. Wer hier für sich selbst oder für andere anklopft, dem wird die Tür aufgetan. Ja mehr noch: Der Vater sieht uns schon von weitem und kommt uns mit offenen Armen entgegengelaufen, um uns an sein Herz zu drücken. Und er wird zu uns sagen: Es ist alles gut, um Jesu willen vergebe ich dir.

Amen.

 


Annette C. Gerstner, Gemeindereferentin