Blick in den Himmel
Predigt Offb. 15,2-4 St.Georg/Arche 19./20.4.08
Sonntag Kantate
Liebe Gemeinde!
Liebe Gemeinde!
Wussten Sie schon, dass vieles von dem, was wir im Gottesdienst tun, ewigkeitlichen Charakter hat? Gott loben und preisen, singen und musizieren zu seiner Ehre hat Zukunft!
Unser heutiger Predigtabschnitt gewährt uns einen Blick in den Himmel.
Hören wir die Worte aus der Offenbarung des Johannes im 15. Kapitel:
Und ich sah, und es war wie ein gläsernes Meer, mit Feuer vermengt;
und die den Sieg behalten hatten
über das Tier und sein Bild und über die Zahl seines Namens,
die standen an dem gläsernen Meer und hatten Gottes Harfen
und sangen das Lied des Mose, des Knechtes Gottes, und das Lied des Lammes:
Groß und wunderbar sind deine Werke, Herr, allmächtiger Gott!
Gerecht und wahrhaftig sind deine Wege, du König der Völker.
Wer sollte dich, Herr, nicht fürchten und deinen Namen nicht preisen?
Denn du allein bist heilig!
Ja, alle Völker werden kommen und anbeten vor dir,
denn deine gerechten Gerichte sind offenbar geworden.
Ja, liebe Gemeinde, im Himmel wird kräftig gesungen! Kein oberflächliches Tralala. Es sind Lieder, die aus tiefstem Herzen kommen. Lieder der Dankbarkeit nach durchgestandenem Leid. Zwei dieser Lieder stellt uns der Seher Johannes vor:
Das Lied des Mose und das Lied des Lammes.
Das Lied des Mose hat folgenden Hintergrund:
Mose singt dieses Lied nach dem Durchzug durchs Rote Meer – nach einer dramatischen und angsterfüllten Zeit. Generationen lang waren die Israeliten rechtlose Sklaven in Ägypten, mussten ohne Lohn arbeiten bis zum Umfallen.
Dann kam der Aufbruch. Sie mussten ihre wenigen Habseligkeiten zurücklassen und aufbrechen in eine ungewisse Zukunft. Kaum dass sie aufgebrochen sind, jagen die Ägypter hinter ihnen her. Ihre Lage ist absolut aussichtslos. Vor ihnen das Meer, das ihnen den Fluchtweg abschneidet, hinter ihnen die Ägypter.
Und dann geschieht das Unvorstellbare: Gott schafft in auswegloser Lage einen völlig unerwarteten Ausweg.
-Denken Sie daran, wenn Sie einmal in einer verzweifelten Lage sind: Gott kann auch heute noch Wunder tun!-
Gott schafft in auswegloser Lage einen völlig unerwarteten Ausweg. Das Meer teilt sich und die Israeliten ziehen trockenen Fußes hindurch. Als die Ägypter das Rote Meer erreicht haben, fließt das Wasser wieder zusammen; so beendet Gott jäh ihre Verfolgungsjagd.
Nach diesen dramatischen Erlebnissen stimmt Mose ein Lied an: Ein Danklied an Gott.
Er singt sich gleichsam hinein in das neue Leben, das Gott ihm und seinem Volk geschenkt hat. Er singt sich hinein in die von Gott geschenkte Freiheit:
Groß und wunderbar sind deine Werke, Herr, allmächtiger Gott!
Gerecht und wahrhaftig sind deine Wege, du König der Völker.
Wer sollte dich, Herr, nicht fürchten und deinen Namen nicht preisen?
Denn du allein bist heilig!
Das zweite Lied, das Johannes hört, ist das Lied des Lammes. Das Lied Jesu, nachdem er Leid und Tod überwunden hat. Es ist das Lied dessen, der für uns Schmerzen, Spott und einen qualvollen Tod ausgehalten hat; das Lied unseres Erlösers, der Leiden und Tod erduldet hat wie ein Lamm, und noch am Kreuz für seine Feinde gebetet hat. Das Lied, das im Himmel gesungen wird, ist sein Lied! Das Lied des Auferstandenen!
Auch all die Menschen, die da am gläsernen Meer stehen und Gott besingen, sind durch große Nöte gegangen und haben schwere Kämpfe hinter sich.
„Das Tier und sein Bild und die Zahl seines Namens“ steht für den damaligen Kaiser, der die Christen gnadenlos verfolgt hat. Sie nahmen um ihres Glaubens willen jede Menge Nachteile in Kauf, Schikanen, Verleumdungen, Gefängnis, Folter und Todesstrafe. In all dem hielten sie an Gott fest und setzten ihr ganzes Vertrauen auf Christus, das Lamm Gottes.
Als solche, die alles überwunden haben stehen sie nun am gläsernen Meer. Plötzlich ist alles klar und durchsichtig. Nebel und Zweifel haben sich in nichts aufgelöst. Die Luft ist rein – wie nach einem Gewitter. Alles Undurchschaubare ist offen gelegt. Gott ist gegenwärtig, klar erkennbar. Hell und warm lodert das Feuer seiner Liebe. In seiner Gegenwart verbrennt alles, was seiner Heiligkeit nicht entspricht, alle, die Gottes Erbarmen verachten.
Die himmlischen Harfenklänge sind wunderbar zart und melodisch. Kein Getöse. Eine Musik, die zu Herzen geht.
Die Menschen singen als Erlöste, als solche, die alles überstanden haben. Befreit von allem Bösen singen sie sich hinein in den Schutzraum der Liebe Gottes. Sie haben ihre Stimme wieder gefunden.
Angst und Not können einem ja die Kehle zuschnüren. Das kennen wir alle. Der Schmerz kann so übermächtig sein, dass man nicht einmal mehr Kraft hat zu schreien. Man verstummt. Doch beim Singen fällt nach und nach alles Schwere von einem ab. Wie oft habe ich das schon erfahren!
Hören wir uns noch einmal hinein in die Worte des himmlischen Gesanges:
Groß und wunderbar sind deine Werke, Herr, allmächtiger Gott!
Gerecht und wahrhaftig sind deine Wege, du König der Völker.
Wer sollte dich, Herr, nicht fürchten und deinen Namen nicht preisen?
Denn du allein bist heilig!
Ja, alle Völker werden kommen und anbeten vor dir,
denn deine gerechten Gerichte sind offenbar geworden.
Die Menschen, die da am gläsernen Meer stehen, loben Gott als den, der allmächtig ist. Sie beten ihn an als den, der am Ende das Recht durchsetzt. Wer ständig drangsaliert wird, der sehnt sich danach, dass Gott eingreift und Gerechtigkeit walten lässt, dass er das Böse richtet.
Am Ende entzieht Gott dem Bösen alle Macht. Er kehrt die Verhältnisse um: Die Verlierer werden zu Gewinnern. Sie gewinnen das ewige Leben in Gottes Herrlichkeit.
Ja, alle Völker werden kommen und anbeten vor dir,
denn deine gerechten Gerichte sind offenbar geworden.
Wer sich an Jesus Christus hält, für den sind Gottes Gerichte nicht angst- und furcht erregend, sondern Grundlage seiner Erlösung und Befreiung.
Menschen aus allen Völkern werden im Himmel dabei sein. Deshalb tut es uns gut, heute schon Feindbilder abzubauen. Der Ausländer, den wir heute als ungeliebten Gast betrachten, könnte morgen Seite an Seite mit uns am gläsernen Meer stehen!
Groß und wunderbar sind deine Werke, Herr, allmächtiger Gott!
Gerecht und wahrhaftig sind deine Wege, du König der Völker.
Das sind höchst erstaunliche Aussagen für Menschen, die so viel Schweres mitgemacht haben! Wie können sie Gottes Wege rühmen, die ihnen so viel Leid gebracht haben?
Im Lichte Gottes in der Ewigkeit ist alle Klage von ihnen abgefallen. Sie fragen nicht mehr:
Gott, warum hast du das alles zugelassen? Warum gerade ich? Wo warst du, als es uns schlecht ging?
Nichts von alledem. Im Gegenteil! Sie erkennen: Was Gott tut, ist wunderbar. Er macht keine Fehler. Seine Wege sind gerecht und wahrhaftig.
Darüber können wir aus unserer heutigen Sicht nur staunen.
Nicht wenige Christen haben zu mir schon gesagt: Wenn ich mal vor Gott stehe, dann wird ich ihn als erstes fragen, warum er nichts dagegen tut, dass so viele Unschuldige leiden.
Doch wenn es so weit ist, werden wir wohl so überwältigt sein von der Heiligkeit und Barmherzigkeit Gottes, dass wir nichts anderes mehr tun wollen, als ihn loben, preisen und anbeten.
Wer sollte dich, Herr, nicht fürchten und deinen Namen nicht preisen?
Denn du allein bist heilig!
Gott gebührt alle Ehrfurcht. Er steht über allem. Er ist der König der Könige. Er allein ist heilig.
Amen.
Wir wollen nun mit einstimmen in den Gesang der Erlösten mit dem Lied 331: „Großer Gott wir loben dich, Herr wir preisen deine Stärke…“
Amen.
Annette Gerstner, Gemeindereferentin