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Vom
Zweifel
zur

frohen
Gewissheit


Predigt Mt.11,2-6
St.Georg 14.12.08

Juhannes der Täufer
Da aber Johannes im Gefängnis die Werke Christi hörte, sandte er seiner Jünger zwei und ließ ihm sagen: Bist du, der da kommen soll, oder sollen wir eines anderen warten?
 Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Gehet hin und saget Johannes wieder, was ihr sehet und höret:  Die Blinden sehen und die Lahmen gehen, die Aussätzigen werden rein nd die Tauben hören, die Toten stehen auf und den Armen wird das Evangelium gepredigt; und
selig ist, der sich nicht an mir ärgert.







Dietrich Bouts, 1415 - 1475: Johannes in der Landschaft




Liebe Gemeinde!

 

Jedes Jahr am 3. Adventssonntag stellt uns das Evangelium Johannes den Täufer vor Augen. Sein ganzes Leben war geprägt von dem großen Auftrag, den Gott ihm übertragen hat. Er sollte die Menschen vorbereiten auf die Ankunft des Christus, des Retters, des Heilands.
Johannes der Täufer predigte mit Leib und Seele. Tausende folgten seinem Aufruf zur Buße, zur Umkehr. Er legte seinen Finger auf die wunden Punkte der Gesellschaft. Er scheute sich auch nicht, den Machthabern Gottes Gebote vor Augen zu halten. So rief er den König Herodes, der im Ehebruch lebte, mit deutlichen Worten zur Umkehr auf.
Doch der warf ihn ins Gefängnis.

 Das war, menschlich gesprochen, für Johannes der Anfang vom Ende. Zum Nichtstun und Schweigen verurteilt, verfiel er ins Grübeln.
Habe ich mir am Ende alles nur eingebildet? Bin ich einem Irrglauben zum Opfer gefallen? Ist Jesus gar nicht der von Gott verheißene Retter? Zweifel über Zweifel bedrängen ihn. Schließlich schickt er einen Freund, der ihn im Gefängnis besuchen durfte, zu Jesus und lässt ich fragen:

„Bist du es, der da kommen soll oder sollen wir auf einen anderen warten?“

 Kennen Sie solche Glaubenszweifel? Solche quälenden Fragen, die plötzlich alles zusammenbrechen lassen, was man bisher geglaubt hat?
Nach einem Schicksalsschlag denken viele Menschen ganz neu darüber nach:
Gibt es Gott wirklich? Ist das, was die Kirche uns verkündigt, wahr? Wie geht es nach dem Tod weiter?

„Bist du es, der da kommen soll, oder sollen wir auf einen anderen warten?“ So fragt Johannes der Täufer. So fragt der, der doch Jesus im Jordan getauft hat und dabei selbst die Stimme Gottes gehört hat: Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe.

 Wir müssen unsere Glaubenszweifel nicht hinunterschlucken. Wir sollen sie auch nicht einfach wegschieben. Wir dürfen Jesus löchern mit unseren Fragen. Wie Johannes der Täufer.
Bist du der Heiland, oder haben wir uns an den falschen gehängt? Bist du der Weg zu Gott oder sind wir einem Irrlicht gefolgt?

 Jesus antwortet dem Johannes: Lass dir berichten, was durch mich geschieht:
„Blinde sehen und Lahme gehen, Aussätzige werden rein und Taube hören, Tote stehen auf, und Armen wird das Evangelium gepredigt.“

Damit knüpft Jesus an an Worte des Propheten Jesaja, der im alten Testament ankündigt, dass der Retter genau diese Zeichen wirken wird.

 Ob Jesus der versprochen Retter ist, können wir nur erkennen, wenn wir das, was wir erleben, mit den Aussagen der Bibel in Verbindung bringen.
Ob Jesus der ist, der Gottes Frieden in die Welt bringt, der die Menschen versöhnt mit Gott und untereinander, der Heilung bringt für Leib, Seele und Geist, das finden wir nur heraus, wenn wir das, was wir tagtäglich sehen und hören, mit dem Wort Gottes in Verbindung bringen.

Oberflächlich betrachtet, kommen viele zu dem Schluss:
Ja damals, als Jesus als Mensch auf der Erde war, da hat er Menschen geheilt: Blinde, Gelähmte, Taube und Aussätzige. Ja, er hat sogar drei Tote auferweckt, aber heute?
Heute geschieht doch so etwas nicht mehr.
Aber das ist nicht wahr.

 Auch heute geschehen Spontanheilungen, auch heute geschehen Heilungswunder durch das Gebet von Christen.
Und was ist mit den vielen Menschen, die durch ärztliche Hilfe geheilt wurden? Die nach einer Staroperation wieder sehen, die nach einem Unfall reanimiert wurden, die nach einer Hüftoperation wieder laufen können? Hat das alles etwa nichts mit Gott zu tun?
Für mich sind all diese Errungenschaften der modernen Medizin Gottes Gaben. Zeichen, dass das Reich Gottes angebrochen ist mitten in dieser Welt.
Ob Herzschrittmacher oder Schmerztablette, ob Knochenaufbau oder Antibiotika, alles hat letztlich seinen Ursprung in den Schöpfungsgaben Gottes, einschließlich dem Wissen und Können der Ärzte.
Auf all diesen und noch vielen anderen Wegen offenbart Gott seine Liebe zu uns Menschen; seine Liebe, die in Jesus Mensch geworden ist.

„Bist du es, der da kommen soll oder sollen wir auf einen anderen warten?“ Jesus gibt noch einen weiteren wichtigen Hinweis zu dieser Frage; er sagt: „Armen wird das Evangelium gepredigt.“

 Das Evangelium, die gute Nachricht von Jesus ist kein Privileg der Wohlhabenden. Vergebung der Schuld und ewige Gemeinschaft mit Gott stehen jedem Menschen offen. Jesus hat uns ausdrücklich beauftragt, seine Botschaft in allen Völkern bekannt zu machen, bis heute.
Jesus selbst hat sich den Menschen am Rande der Gesellschaft in besonderer Weise zugewandt.
 
Deshalb ist Diakonie und soziales Engagement keine Kür, die man nach Gutdünken auch weglassen kann, sondern Bestandteil unseres Christseins. Den Menschen ganz lebenspraktisch beistehen und ihnen gleichzeitig die frohe Botschaft von Jesus weitergeben, das gehört untrennbar zusammen.
Darum sind unsere Gottesdienste, Andachten und Besuche in der Diakonie, im AWO-Heim und am Alten Bahnhof kein Luxus, sondern Bestandteil unseres Auftrags als Gemeinde Jesu. Ebenso natürlich auch Seelsorge in Gefängnissen, Krankenhäusern oder Behinderteneinrichtungen und überall dort, wo Menschen am Rande der Gesellschaft stehen.

„Den Armen wird das Evangelium gepredigt“ – und: Sie kommen zum Glauben! Während wir uns hier in Deutschland uns den Kopf zerbrechen, wie wir dem Glauben Fernstehende ansprechen können, wächst die Kirche z.B. in Indien täglich. Vor allem die Kastenlosen, also die Ärmsten, strömen in die Kirche. Ebenso in China. Trotz Verfolgung und Schikanen kommen viele, viele Menschen zum Glauben.
Freunde von mir, die im Kongo Pfarrer ausbilden, berichten, dass es für die Menschen in Afrika unbegreiflich ist, dass die Kirchen in Deutschland immer leerer werden.
Sind wir vielleicht trotz Finanzkrise immer noch zu wohlhabend, zu satt und zu sehr dem Mammon verfallen?
Das Evangelium ist hierzulande ja nicht gerade das, was die Mehrzahl der Bevölkerung vom Hocker reißt.
Umso wichtiger ist es, dass wir Christen in die Offensive gehen - wie Johannes der Täufer, statt uns zu verstecken.

„Glücklich, ja selig ist, wer sich nicht an mir ärgert und nicht an mir zweifelt.“ Gott wird ein Kind, um uns nach Hause zu lieben. Er wird klein und arm, um uns die Augen dafür zu öffnen, wo der wahre, unvergängliche Reichtum zu finden ist.
Den Zweifler Johannes verwirft Jesus nicht. Im Gegenteil: Vor allem Volk bekräftigt Jesus seinen Auftrag mit den Worten: „Dieser ist´s, von dem geschrieben steht: Siehe, ich sende meinen Boten vor dir her, der deinen Weg vor dir bereiten soll.“

Auch wir sind gerufen, Wegbereiter Jesu zu sein, Menschen, die seine Botschaft in Wort und Tat weiter tragen. Was dann daraus wird, das ist Gottes Sache.
Wie schon Johannes der 23. zu sich selbst sagte, als er in Gedanken an das Konzil und die Zukunft der Kirche nicht mehr schlafen konnte: „Giovanni, wer regiert die Kirche, du oder der hl. Geist? Also schlafe, Giovanni.“

Wir sind berufen, Wegbereiter Jesu zu sein. Was aus unseren Bemühungen wird, dürfen wir getrost dem heiligen Geist überlassen.


Amen.


Annette C. Gerstner, Gemeindereferentin