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Frohe Botschaft





Predigt Mt. 3, 13-17 St Georg/Arche 11.1.09

 


Zu der Zeit kam Jesus aus Galiläa an den Jordan zu Johannes, dass er sich von ihm  taufen ließe.
Aber Johannes wehrte ihm und sprach: Ich bedarf dessen, dass ich von dir getauft werde und du kommst zu mir?
Jesus aber antwortete und sprach zu ihm: Lass es jetzt geschehen! Denn so gebührt es uns, alle Gerechtigkeit zu erfüllen..
Da ließ er´s  geschehen.
Und als Jesus getauft war, stieg er alsbald herauf aus dem Wasser. Und siehe, da tat sich ihm der Himmel auf, und er sah den Geist Gottes wie eine Taube herab fahren und über sich kommen.
Und siehe, eine Stimme vom Himmel herab sprach: Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe.

 Hinweis: Sie können sich diese Predigt auch anhören. Klicken Sie diesen Text an.


 

Liebe Gemeinde!

Jesus lässt sich taufen. Er reiht sich ein unter die vielen Menschen, die zu Johannes an den Jordan gekommen sind, um ihre Sünden zu bekennen und sich taufen zu lassen als Zeichen ihrer Umkehr zu Gott.
Die abwehrende Haltung des Johannes ist sehr verständlich: „Ich hätte es nötig, von dir getauft zu werden und du kommst zu mir?“
Schon vor seiner Geburt war Jesus eines Wesens mit dem Vater, durch keinerlei Schuld von ihm getrennt. Er brauchte keine Taufe! Dennoch besteht er darauf. Warum?
Jesus offenbart sich damit als der, der alle Schuld der Welt auf sich nimmt. Stellvertretend für uns geht er den Weg der Umkehr.
Die Taufe des Johannes hatte eine andere Bedeutung als unsere Taufe. Sie war ein Zeichen der Umkehr und ein Schrei nach Vergebung in Erwartung des kommenden Retters.

 Jesus sagt zu Johannes nicht, taufe mich, sondern: Lass es geschehen! So macht er deutlich: Nicht Johannes ist hier der Handelnde, sondern Gott selbst.

Lass es geschehen – das ist auch ein Wort an uns. Lass es geschehen, dass Gott dich mit seiner Liebe berührt und umhüllt, wenn du am Ende des Gottesdienstes seinen Segen empfängst. Lass es geschehen, dass Gott dir vergibt, wenn du ihn darum bittest. Lass es geschehen, dass Gott dich beschenkt, wenn du das Heilige Mahl empfängst. Lass es geschehen, dass Gott durch dich handelt und entziehe dich nicht.

Das Entscheidende im Leben, das was wirklich durchträgt, ist nicht das, was ich tue, sondern das, was Gott an mir tut und durch mich.

 Als Jesus aus dem Wasser steigt, öffnet sich der Himmel. Für ihn, für Johannes und für alle, die dabei sind. Der Himmel öffnet sich, d.h. Gottes Gegenwart wird spürbar. Es ist ein tiefes inneres angerührt werden, eine innere Gewissheit, dass hier Gott am Werk ist. Eine überwältigende Erfahrung der Nähe Gottes.

Jesus hat auch uns den Himmel geöffnet. An Weihnachten haben wir es gesungen: „Lobt Gott ihr Christen alle gleich in seinem höchsten Thron, der heut schließt auf sein Himmelreich und schenkt uns seinen Sohn.“ Wer sich Jesus anvertraut, dem steht der Himmel offen!

Jesus sieht den heiligen Geist wie eine Taube auf sich herabkommen. Auch Johannes ist Augenzeuge dieses Geschehens.
Der heilige Geist erscheint nicht etwa in der mächtigen Gestalt eines Löwen oder eines Stieres, sondern als Taube. Im alten Orient galt die Taube als Beigabe der Liebesgöttin, ihr Turteln war Bild für das Liebesspiel.

So erreicht die Liebe des Vaters Jesus durch den heiligen Geist ganz tief; sie erfüllt und durchdringt ihn. Der Geist der Liebe verbindet Vater und Sohn untrennbar und für alle sichtbar und hörbar. Der heilige Geist überbringt Gottes Liebesbotschaft: „Dies ist mein Lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe.“

Es ist das zärtliche, Vertrauen schenkende Wort des Vaters an den Sohn. Und es ist zugleich Gottes öffentliche Liebeserklärung an Jesus: “Du bist mein lieber Sohn. An dir habe ich meine ganz Freude.“ Jesus beantwortet diese innige Liebe und Verbundenheit mit dem Vater mit der kindlich-vertrauensvollen Anrede: Abba, was so viel heißt wie Papa, Vati.

Mit seiner Taufe verdichtet und konkretisiert sich für Jesus seine Sendung und Ausrüstung. Erst jetzt beginnt er, öffentlich zu predigen und zu heilen und in seine Nachfolge zu rufen.

Die Botschaft, die Jesus verkündet, unterscheidet sich grundlegend von der des Johannes. Johannes rief aus: „Ihr Schlangenbrut, wer hat euch denn gewiss gemacht, dass ihr dem künftigen Zorn entrinnen werdet?“ Und er drohte mit dem Gericht Gottes.

Jesus tritt als der auf, der uns die Gotteskindschaft anbietet. Die Drohbotschaft des Täufers wird abgelöst von der Frohbotschaft Jesu: „Kehrt um, denn das Himmelreich ist nahe herbeigekommen!“

Für die Urkirche stand es außer Frage, dass Gott zu jedem Menschen bei seiner Taufe sagt: Du bist mein lieber Sohn, du bist meine geliebte Tochter.

Matthäus berichtet einige Kapitel nach der Taufe Jesu, dass seine Mutter und seine Brüder zu Jesus kamen und sich beschwerten, dass er keine Zeit für sie hat. Da zeigte Jesus auf seine Jünger und sprach: Seht, das sind meine Mutter, meine Brüder und Schwestern.

Ja, Jesus macht uns zu Gottes geliebten Kindern. Das ist die neue Wirklichkeit, die uns in der Taufe geschenkt wird.

Auf jeder Seite in den Evangelien können wir es lesen: Wer Jesus begegnet ist, der hat erlebt, dass er beachtet und angenommen wird. Der hat die Erfahrung gemacht, dass seine Würde als Mensch wiederhergestellt wird, er hat gemerkt, dass kein Leben zu verworren oder zu verkorkst ist, als dass es Jesus nicht zurecht bringen könnte.
Und das gilt bis heute. Wer sich auf Jesus einlässt, der erlebt: Ich bin geliebt, so wie ich bin. Ich bin Gottes geliebte Tochter. Er hat Wohlgefallen an mir!
Es ist unfassbar, aber wahr: Gott hat seine ganze Freude an dir und an mir – weil er uns durch Jesus ansieht. In Jesus ist uns Gottes Liebe auf den Leib gerückt, hautnah. 

 Paulus schreibt in seinem Brief an die Galater: „Als die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn, damit wir die Kindschaft empfingen. Weil ihr nun Kinder seid, hat Gott den Geist seines Sohnes gesandt in unsere Herzen, der da ruft: Abba, lieber Vater! So seid ihr nun nicht mehr Knecht, sondern Kind.“

Genau darum geht es auch bei der Konfirmation, die ja nichts anderes ist als eine Tauferinnerung und Taufbestätigung. Entscheidend ist, dass du dich öffnest und ja dazu sagst, Gottes geliebte Tochter, Gottes geliebter Sohn zu sein. Dass du es mit glaubendem Herzen geschehen lässt, dass Gott dich mit seinem heiligen Geist erfüllt; dass du zulässt, dass er dein Leben durchdringt und seine Liebe dein Menschsein mehr und mehr zur Entfaltung bringt.

Jemand hat einmal gesagt: Gott liebt die Guten, damit sie gut bleiben. Gott liebt die Bösen, damit sie gut werden. Also liebt er mich immer!

Um diese unfassbare Liebe Gottes ein wenig mehr fassen zu können, dürfen wir es uns täglich neu von Gott zusprechen lassen: „Du bist meine geliebte Tochter, du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen.“ Du gefällst mir. An dir habe ich meine ganze Freude.

 Je tiefer wir das wirklich glauben können, umso mehr wird es unser Leben verändern. Wer sich zutiefst geliebt weiß, wer Gottes Liebe an sich geschehen lässt, der wird selbst zum Liebenden.

Das wünsche ich uns allen.

Amen.


  

Annette C. Gerstner, Gemeindereferentin