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Alle Welt läuft ihm nach!?

Predigt Joh. 12,12-19/Arche
Palmsonntag 05.04.2009

Liebe Gemeinde!

 

„Ihr seht, dass ihr nichts ausrichtet; siehe, alle Welt läuft ihm nach“, so gestehen die Pharisäer ärgerlich ein.

Jesus war der Publikumsmagnet. Denn er hatte Lazarus vom Tod auferweckt; Lazarus, der vier Tage tot im Grab gelegen war und bei dem die Verwesung bereits eingesetzt hatte! Diese Nachricht verbreitete sich wie ein Lauffeuer und viele, viele Menschen kamen, um Lazarus zu „besichtigen“ und um den Wundertäter Jesus kennen zu lernen.

Bethanien, ein Vorort von Jerusalem, wurde zum Wallfahrtsort.

 

Das wollte sich der Hohe Rat, die jüdische Geistlichkeit, nicht länger mit ansehen. Sie fürchten um ihre Macht und ihren Einfluss. Deshalb beschlossen sie, Jesus zu töten und Lazarus ebenfalls, um so den lebendigen Beweis der Vollmacht Jesu aus der Welt zu schaffen.

Soweit die Vorgeschichte.

 

Heute, am Palmsonntag, mischen wir uns im Geiste unter die Festpilger in Jerusalem. Wir hören die Psalmen, die zur Liturgie des Passafestes gehören. Bei den Worten von Psalm 118 können wir mit einstimmen. Die kennen wir von unseren Abendmahlfeiern: „Hoch gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn. Hosianna in der Höhe“!

Ein Strom von Menschen geht singend die Straße entlang, die nach Norden führt. Wir erkundigen uns: „Was ist hier los?“ Und wir erfahren: „Jesus von Nazareth kommt in unsere Stadt! Der Mann, der den toten Lazarus zum Leben erweckt hat! Er verkündet Gottes ewiges Reich! Er ist der, auf den wir schon so lange warten, der Messias, der uns Heil und Frieden bringt! Er ist der König Gottes, unsere ganze Hoffnung!“

 

Und dann sehen wir IHN. „Hosianna! Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn!“, so jubeln ihm alle zu.

Der soll der König Gottes sein? Dieser schlichte Mann aus Galiläa?, fragen wir uns. Auf einem Esel reitet er, dem Reit- und Tragetier des Alltags. Vielleicht will er damit seine Botschaft unterstreichen: Ich bin einer von Euch.

Ich bin kein Konkurrent der Regierenden von Jerusalem oder gar von Rom. Ich bin das Mensch gewordene Wort Gottes. Ich bringe euch Gottes Liebe und sein Erbarmen.

Jesus reitet auf einem Esel und knüpft damit an eine alte Tradition an: Den Esel gebrauchte ein Herrscher, um eine friedliche Absicht zu demonstrieren. Für den Krieg hatte man Pferde. Jesus zieht als König des Friedens ein.

 

Das Hosianna- Rufen nimmt kein Ende. Hosianna, das heißt so viel wie „hilf doch; hilf uns!“

Ein Stoßgebet, in das auch wir jederzeit einstimmen dürfen.

Wir brauchen uns mit unserer Bedürftigkeit nicht verstecken. Wir dürfen all unsere Hoffnung auf ihn richten, der auch unser Messias, unser Christus, ist. Alles, was uns umtreibt, dürfen wir vor ihn bringen; unsere Nöte und Konflikte, unsere Krankheiten und unsere Dunkelheiten.

 

Oder haben wir Zweifel beim Anblick dieses Eselreiters? Im Gegensatz zum Aufmarsch der Palmwedel schwingenden Menschenmenge hat er rein äußerlich wenig Beeindruckendes zu bieten. Einen König stellen wir uns anders vor. Ein Mensch, der ein Volk prägen und führen will, müsste sich doch besser verkaufen, so denken wir.

Doch Jesus hat bewusst auf die Inszenierung seiner Macht verzichtet. Damit hat er in Kauf genommen, missverstanden zu werden. Damals wie heute. Die wenigsten haben ihre Begeisterung für den ersehnten König durchgehalten. Bald schon schlug das Hosianna! um in ein kreuzige ihn!

 

Der Zweifel an Jesus und seiner Macht kann auch uns zusetzen. Wenn das eigene Leben durch Schicksalsschläge hart geprüft wird und unser Hosianna –hilf doch! scheinbar ohne Antwort bleibt, kann unser Glaube schnell brüchig werden.

Glauben wir an Jesus nur, so lange er unsere Wünsche erfüllt?

 

Unser Glaube wird nur tragfähig bleiben, wenn er im Sterben Jesu für uns und in seiner Auferweckung verankert ist.

Um diese Verankerung unseres Glaubens zu festigen, ist es wichtig, dass wir ganz bewusst mit Jesus durch diese Karwoche gehen und uns auf sein Leiden und Sterben einlassen. Wer die Karwoche auslässt, wird mit Ostern wenig anfangen können. Wer die Karwoche überspringt, für den ist Ostern nicht viel mehr als das Fest der Hasen und Eier.

 

Wir Christen feiern an Ostern den Sieg des Lebens über den Tod, den Sieg der Versöhnung über allen Streit und die Gewissheit des ewigen Lebens bei Gott.

 

Der Bericht vom Palmsonntag will uns animieren, Jesus zu loben mit unseren Lieder und Gebeten. Ihn loben für alles, was er in meinem Leben schon geschenkt und bewirkt hat. Ihn loben als meinen König.

Könige kennen wir in unserem Land nicht mehr. Trotzdem möchte ich auf diesen Titel für Jesus nicht verzichten.

Er ist ein König, dem ich mich gerne und freiwillig unterstelle. Einer, der sich um meine Belange kümmert, der für mich sorgt und der mich verteidigt, wenn andere über mich herfallen. Ein König, dem ich so wichtig bin, dass er sein Leben für mich einsetzt!

Ein König, der mich nicht unterdrückt, sondern mich aufrichtet und mir den Rücken stärkt. Einer, der Gnade vor Recht ergehen lässt. Jesus ist ein König, der Frieden schafft und Gemeinschaft stiftet, einer, in dessen Glanz ich mich sonnen darf – und das in einem ganz tiefen Sinn. Er reinigt mich von meiner Schuld und tritt bei Gott für mich ein und – er gibt mir Anteil an seiner göttlichen Herrlichkeit!

 

So haben wir allen Grund, Jesus täglich neu zu loben und zu preisen als unseren König und seine Erlösungstat zu rühmen!

Wenn wir das tun, dann gehören wir zu denen, die die neiderfüllte Vorhersage der Pharisäer in wunderbarer Weise bewahrheiten:

„(Ihr seht, dass ihr nichts ausrichtet.) Siehe, alle Welt läuft IHM nach!“                                            

 

Ich möchte schließen mit Worten von Paul Gerhardt:

„Dein Zion streut dir Palmen un grüne Zweige hin,

und ich will dir in Psalmen ermuntern meinen Sinn.

Mein Herze soll dir grünen, in stetem Lob und Preis,

und deinem Namen dienen, so gut es kann und weiß.“

 

Amen.

 


Annette C. Gerstner, Gemeindereferentin