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Übergang
Übergang.  Von Reinhard Zimmermann      Zum Abspielen der Bildbetrachtung   Bild mit der
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Passionsandacht am 2.4.09; Pfarrerin Büttner; Mk15, 42-47

Liebe Gemeinde!

Übergang heißt das Bild von Reinhard Zimmermann. Ein besonderer Übergang ist abgebildet.Einer vom Tod zum Leben.
Ein Hinrichtungsgerät ist zu sehen: das Kreuz. Früher wurden Menschen damit zu Tode gebracht.

Es hängt niemand an dem Kreuz.Steht die Hinrichtung noch aus?Oder ist sie schon passiert und der Leichnam schon abgenommen?

Wir wissen es: Wir kennen die Erzählungen. Karfreitag ist geschehen. Ein Mensch wurde hingerichtet.Dass ein Mensch stirbt, ist nichts außergewöhnliches.Täglich kommt das vor.

Täglich hören wir davon, dass Menschen sterben. Die Zeitungen sind voll von Todesanzeigen. Je nachdem wir nahe wir dem Menschen standen, fühlen wir mehr oder weniger mit.
Bedrängt es uns eine längere oder kürzere Zeit.
Wir haben gelernt, mit den allermeisten Verlusten umzugehen.
Viele – fast alle haben schon einen Menschen verloren.

Ein Mensch wurde grausam hingerichtet. Auch nichts außergewöhnliches in diesen Tagen – von Krieg, Folter, Terror und Gewalt.Täglich erreichen uns Bilder von Menschen,
die auf grausame Weise zu Tode gekommen sind.

Ein Mensch ist hingerichtet worden und gestorben – aber wie sich herausstellt – nicht irgendein Mensch. Das hebt ihn heraus aus der Masse der namenlosen Opfer von Kriegen und Terror und Verfolgung in der Menschheits­geschichte.

Über die Hinrichtung Jesu von Nazareth ist noch mehr zu erzählen als die mehr oder weniger genaue Nacherzählung der Umstände, wie er zu Tode gekommen ist – Und wie wir sie in den Evangelien aufgeschrieben finden. Die Christenheit sah sich von Anfang an genötigt Erklärungen zu finden für diesen Tod. Wie konnte es dazu kommen?
Die Hinrichtung Jesu von Nazareth folgt einer äußeren Logik, aber sie folgt auch noch einer inneren Logik. Die Hinrichtung Jesu ist das, was die Augen sehen. Der Grund der Hinrichtung ist das, was das Herz erkennen muss. Und das Herz erkennt aber noch mehr. Das Herz erkennt den Ausgang der Ereignisse, den kein Mensch beweisen kann.
Reinhard Zimmermann erkennt und malt einen neuen Sonnenaufgang, der sein Licht von dort her auf die Ereignisse von Karfreitag wirft.
Die Sonne, das Gelb, das Rot überstrahlt schon das ganze Bild.
Von der Logik des Malens muss er es zuerst malen. Dann malt er den Menschen und das Kreuz.
Die Hoffnung und das Licht eines neuen Morgens ist aber zuerst da.
Beeirdruckend.
Der Bericht über die Ereignisse nach dem Tod Jesu, wie es im MK-Evangelium aufgezeichnet ist, ist weit nüchterner als unser Bild.
Jesus von Nazareth ist gestorben. Ein Mann, der so viele Hoffnungen auf sich gezogen hatte, ist gewaltsam zu Tode gekommen. Was hat die Menschheit durch dieses frühzeitige Ende verloren? Welch unerhörte Geschichten hätte er noch erzählt, welch unglaubliche Taten noch vollbracht?
Jesus ist gestorben. Lasst die Toten ihre Toten begraben – mit diesen Worte hatte er Männer aus Beruf und Familie herausgerissen.

Sie sind nicht mehr da.

Sie sind enttäuscht und furchtsam geflohen. Mit dem Ende Jesu ist auch für die das Ende ihrer Wünsche und Erwartungen gekommen. „Wir hofften, er sollte Israel erlösen“. Vorbei. Wahrscheinlich ist das auch eine Erfahrung, die zur Lebensgeschichte gehört. Wie man wichtige Menschen im Laufe der Zeit verliert, so kann man auch den Glauben und die Hoffnung auf Erlösung verlieren.

Da ist in der Jugend eine große Begeisterung für die Sache Jesu, für seine Kritik an den Mächtigen in Politik und Religion, für seinen Einsatz bei Außenseitern, für seine Missachtung von religiösen Ritualen. Da ist die Erwartung, dass das Reich Gottes ein Stück näher gekommen ist, dass man etwas tun kann für die Armen, etwas tun kann gegen den Krieg. Und dann muss man angesichts der Realitäten die Illusionen begraben.

Einer, einer, der uns bisher gar nicht begegnet ist, hält sich nicht an Jesu Wort und kümmert sich um das Begräbnis. Josef von Arimathäa. Josef von Arimathäa hat sich mit dieser Enttäuschung abgefunden, auf seine sehr tapfere Art. Der kaufte ein Leintuch und nahm ihn ab, wickelte ihn in das Tuch und wälzte einen Stein vor den Eingang zum Grab. Sehr entschlossen, und sehr sorgsam trennt sich hier einer von den Hoffnungen und Wünschen, die er gehabt hat und die nun verflogen sind.

Auch für Jesus ist die Zeit gekommen, da sein Leichnam beseitigt und die Erinnerung an ihn gepflegt wird. Der Mann gehört in die Vergangenheit. Wir müssen den Toten begraben und sein Andenken ehrenvoll in unserer Erinnerung bewahren.Ein Leben ist zuende gegangen. Nun beginnt die Arbeit der Trauer und der Erinnerung.

Am Karfreitag ist die Geschichte zuende. Auf Illusionen muss man verzichten. Allerdings auch in den Bericht über die Bestattung Jesu hat das Markusevangelium ein ganz kleines Hoffnungszeichen eingeschmuggelt. Als Josef von Arimathäa bei Pilatus die Freigabe des Leichnams beantragt, wundert der sich, dass der Tod schon so schnell eingetreten ist.

Alles Leiden ist begrenzt. Alles Leiden ist begrenzt – auch wenn es wie eine Ewigkeit dauert. Rabindranath Tagore sagt: Glaube ist der Vogel, der singt, wenn die Nacht noch dunkel ist. Glaube ist der Vogel, der singt, wenn die Nacht noch dunkel ist.

Ja, liebe Gemeinde, lassen sie uns singen mit den Vögeln, auch wenn es noch Nacht ist, und lassen sie uns mit dem Bild von Reinhard Zimmermann staunen über das Licht des neuen Morgens, das aufzieht über die dunklen und schweren Momente des Lebens.

Lassen sie uns der Kraft des Osterlichtes mehr trauen als allem Dunklen das uns festhalten will.  Lassen sie uns dem Leben trauen.

Amen.


Pfrin. Alexandra Büttner                    zurück zum Bild