eine
Predigt sehen - lesen - hörenÜber
die Hinrichtung Jesu von Nazareth ist noch mehr zu erzählen als
die
mehr oder weniger genaue Nacherzählung der Umstände, wie er
zu Tode
gekommen ist – Und
wie wir sie in den Evangelien aufgeschrieben finden. Die
Christenheit sah sich von Anfang an genötigt Erklärungen zu
finden
für diesen Tod. Wie
konnte es dazu kommen?
Die
Hinrichtung Jesu von Nazareth folgt einer äußeren Logik,
aber
sie folgt auch noch einer inneren Logik. Die
Hinrichtung Jesu ist das, was die Augen sehen. Der
Grund der Hinrichtung ist das, was das Herz erkennen muss. Und
das Herz erkennt aber noch mehr. Das
Herz erkennt den Ausgang der Ereignisse, den kein Mensch beweisen
kann.
Reinhard
Zimmermann erkennt und malt einen neuen Sonnenaufgang, der sein Licht
von dort her auf die Ereignisse von Karfreitag wirft.
Die
Sonne, das Gelb, das Rot überstrahlt schon das ganze Bild.
Von
der Logik des Malens muss er es zuerst malen. Dann malt er den
Menschen und das Kreuz.
Die
Hoffnung und das Licht eines neuen Morgens ist aber zuerst da.
Beeirdruckend.
Der
Bericht über die Ereignisse nach dem Tod Jesu, wie es im
MK-Evangelium aufgezeichnet ist, ist weit nüchterner als unser
Bild.
Jesus
von Nazareth ist gestorben. Ein Mann, der so viele Hoffnungen auf
sich gezogen hatte, ist gewaltsam zu Tode gekommen. Was
hat die Menschheit durch dieses frühzeitige Ende verloren? Welch
unerhörte Geschichten hätte er noch erzählt, welch
unglaubliche
Taten noch vollbracht?
Jesus
ist gestorben. Lasst die Toten ihre Toten begraben – mit diesen
Worte hatte er Männer aus Beruf und Familie herausgerissen.
Sie sind nicht mehr da.
Sie sind enttäuscht und furchtsam geflohen. Mit dem Ende Jesu ist auch für die das Ende ihrer Wünsche und Erwartungen gekommen. „Wir hofften, er sollte Israel erlösen“. Vorbei. Wahrscheinlich ist das auch eine Erfahrung, die zur Lebensgeschichte gehört. Wie man wichtige Menschen im Laufe der Zeit verliert, so kann man auch den Glauben und die Hoffnung auf Erlösung verlieren.
Da ist in der Jugend eine große Begeisterung für die Sache Jesu, für seine Kritik an den Mächtigen in Politik und Religion, für seinen Einsatz bei Außenseitern, für seine Missachtung von religiösen Ritualen. Da ist die Erwartung, dass das Reich Gottes ein Stück näher gekommen ist, dass man etwas tun kann für die Armen, etwas tun kann gegen den Krieg. Und dann muss man angesichts der Realitäten die Illusionen begraben.
Einer, einer, der uns bisher gar nicht begegnet ist, hält sich nicht an Jesu Wort und kümmert sich um das Begräbnis. Josef von Arimathäa. Josef von Arimathäa hat sich mit dieser Enttäuschung abgefunden, auf seine sehr tapfere Art. Der kaufte ein Leintuch und nahm ihn ab, wickelte ihn in das Tuch und wälzte einen Stein vor den Eingang zum Grab. Sehr entschlossen, und sehr sorgsam trennt sich hier einer von den Hoffnungen und Wünschen, die er gehabt hat und die nun verflogen sind.
Auch für Jesus ist die Zeit gekommen, da sein Leichnam beseitigt und die Erinnerung an ihn gepflegt wird. Der Mann gehört in die Vergangenheit. Wir müssen den Toten begraben und sein Andenken ehrenvoll in unserer Erinnerung bewahren.Ein Leben ist zuende gegangen. Nun beginnt die Arbeit der Trauer und der Erinnerung.
Am Karfreitag ist die Geschichte zuende. Auf Illusionen muss man verzichten. Allerdings auch in den Bericht über die Bestattung Jesu hat das Markusevangelium ein ganz kleines Hoffnungszeichen eingeschmuggelt. Als Josef von Arimathäa bei Pilatus die Freigabe des Leichnams beantragt, wundert der sich, dass der Tod schon so schnell eingetreten ist.
Alles
Leiden ist begrenzt. Alles Leiden ist begrenzt – auch wenn es wie
eine Ewigkeit dauert. Rabindranath
Tagore sagt: Glaube ist der Vogel, der singt, wenn die Nacht noch
dunkel ist. Glaube
ist der Vogel, der singt, wenn die Nacht noch dunkel ist.
Ja,
liebe Gemeinde, lassen sie uns singen mit den Vögeln, auch wenn es
noch Nacht ist, und lassen sie uns mit dem Bild von Reinhard
Zimmermann staunen über das Licht des neuen Morgens, das aufzieht
über die dunklen und schweren Momente des Lebens.
Lassen sie uns der Kraft des Osterlichtes mehr trauen als allem Dunklen das uns festhalten will. Lassen sie uns dem Leben trauen.
Amen.